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Ein Haus mit langer Geschichte

Die Alte Mühle ist in ihrer originalen Bausubstanz das älteste Gebäude der Gemeinde Gams. Als erstes schriftliches Zeugnis erwähnt sie – am selben Standort – der so genannte Gangbrief, ein Urbar aus dem Jahre 1461: «Item vß der obgenannten lantstrauß Sol ain eweg goun hinder des lütpriesters hus für den Stampff hinab ouch zuo der mülli vnd der selb weg ist vsgemarket».

Aus einer Gerichtsakte von 1468 erfahren wir über das selbe Haus Genaueres: «... müli und müli Hofstatt mit sampt Stampff und blüwlen». Die Anlage umfasste also ausser der Getreidemühle noch eine Hanfstampfe sowie einen Bleuel (Schlagvorrichtung zur Weiterverarbeitung von Flachs und Hanf). Ferner geht daraus hervor, dass es sich um eine so genannte Zwingmühle im Besitz des Herrn von Hohensax handelte, die in Pacht betrieben wurde. Von der Benutzungspflicht waren die Gamser in bestimmten Fällen aber offenbar entbunden. Endlich regelt die Schrift auch die freie Beschaffung des nötigen Bauholzes aus den Gemeindegütern, das Brechen der Steine «unter dem Holenweg» und das Mahlgeld.

Zwei die Mühle betreffende Kaufbriefe datieren von 1497 und 1498. Sie wurden also aufgesetzt kurz nachdem Gams von den eidgenössischen Ständen Glarus und Schwyz in Gemeiner Herrschaft übernommen worden war. Sofort fallen denn auch die darin umschriebenen neuen Eigentumsverhältnisse auf:

Offensichtlich hat die Gemeinde anlässlich des Herrschaftswechsels ihrer letzten feudalen Obrigkeit, den Herren von Bonstetten, die Mühle abgekauft und sogleich an einen Christian Giger aus Sax weiterveräussert. Dieser Müller geriet bald darauf in Geldnöte und war gezwungen, den Betrieb wieder an Gams zu verpfänden. 1518 erscheint er aber erneut als Besitzer und verkauft die Liegenschaft weiter. Aus diesem Hin und Her wird jedenfalls deutlich, dass damals das Mahlregal letztlich bei der Gemeinde lag.

Zur Alten Mühle gesellten sich im Laufe der Zeit andere Mitnutzer der Wasserkraft von Sägenbach und Bsetzibächli: Auf einer Länge von wenigen hundert Metern standen noch eine zweite Mühle, eine Drechslerei, eine Sägerei sowie eine Schifflistickerei, und jenseits des Dorfplatzes eine Hammerschmitte. In grösserem Umkreis liessen sich weitere kleinere Mahlwerke aufzählen, die Alte Mühle jedoch, die in Gams als erste zu klappern begonnen hatte, war auch die letzte, deren Räderwerk endgültig zum Stillstand kam. Noch während des Ersten Weltkriegs und in den Zwischenkriegsjahren war sie von Gemeindeammann Arnold Hardegger als Kundenmühle für Speisemais betrieben worden. Er hatte schon bald auf elektrische Energie umgestellt, weil nach Erstellung des Hydrantennetzes konstant ausreichende Quellwassermengen nicht mehr gewährleistet waren. Nachdem dann das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement die Maislieferungen sistiert und Subventionsgesuche für eine Modernisierung der Anlage abgelehnt hatte, kam sie im Zweiten Weltkrieg auftrags des Oberkriegskommissariats – aber lediglich noch als Haferquetsche – letztmals zum Einsatz. Danach räumte man die gesamte Einrichtung aus, um Platz für ein Zwischenlager der hiesigen Gemüseproduktion zu schaffen. Nach der nahezu vollständigen Rückkehr der Bauern zur in Gams bevorzugteren Viehzucht fiel dann schliesslich auch diese Funktion weg.

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