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Lindard Bardill

17. November 2017  "Best of 33"

 

Zum Auftakt seiner Geschichtensammlung wählte Linard Bardill ein romanisches Lied, um seine Herkunft gleich klarzustellen. Und dann folgten Lieder poetischer Natur, Sequenzen aus Märchen, aber auch gesellschaftskritische Texte. Auch die Satire und der schwarze Humor mit einer Prise Sarkasmus finden Eingang in seinen Vorträgen. Und dann erzählte er auch aus seinen Anfängen, nachdem er sich entschieden hatte, doch nicht Pfarrer, sondern Liedermacher zu werden. Dass er auch eine romantische, melancholische Seite hat, war vor allem aus den romanischen Liedern spürbar, bis hin zu Liebesliedern. Er singt aber nicht nur Liebeslieder, er erzählt auch wahre Liebesgeschichten und andere Geschichten. Auf seiner Jubiläumstournee durch die Kleintheater der Schweiz lässt er 33 Jahre seiner Auftritte und Alben Revue passieren. So auch am Freitagabend in der Alten Mühle in Gams. Zwischen den Liedern gibt er immer wieder Kurzgeschichten über sich als (Lebens)-Künstler aus seinem Fundus von Erfahrungen zum Besten.
Und dann erzählt Linard Bardill vom «kleinen Buddha» – seinem Bub – der mit einem Downsyndrom zur Welt kam. Es sind viele schöne Stunden und Geschichten, die er mit seinem «kleinen Buddha» erleben durfte. Seit sieben Jahren macht er – unter anderem – Bettkantenlieder für Kinder mit einer unheilbaren Krankheit. Von diesen Erfahrungen erzählt Bardill Geschichten mit Tiefgang, die ihn ebenso berühren wie das Publikum. Diese Geschichten und die Lieder verströmen aber auch Zufriedenheit. Und so sangen die Zuhörenden in der Alten Mühle auch zusammen mit dem liebenswürdigen Liedermacher. Die Zeit verflog im Nu. Schade, dass der Auftritt vom Bündner Künstler aus dem Engadin schon zu Ende war. Linard Bardill hinterliess beim Publikum Spuren, die auf einen Weg führen, der wegführt von einer oberflächlichen Haltung und Ignoranz gegenüber der Gesellschaft, den Mitmenschen.

Bericht von Heidy Beyeler (Werdenberger & Obertoggenburger, 20.11.2017)

Sepp Köppel / Elsbeth Maag

22. September 2017  "Lyrik trifft Fotografie"

 

Zweieinhalb Jahre nach dem ersten Gespräch über eine mögliche künstlerische Zusammenarbeit lag am Freitagabend das 90-seitige Werk «Von der Durchlässigkeit der Farben, der Worte, der Bilder, der Grenzen» vor. Elsbeth Maag, Buchs, Lyrik, und Sepp Köppel, Gams, Fotografie, haben im Laufe ihres langjährigen Schaffens schon zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Doch erst nach einer Begegnung im Museümli, «dem kleinsten Kunstmuseum der Schweiz», wie Raphael Köppel das Kleinmuseum im ehemaligen Generatorenhaus in Buchs, Altendorf, in seiner Vernissage-Rede bezeichnete, wurde die Idee zu einem gemeinsamen Werk geboren.
Und so kam es, dass die Lyrikerin und der Fotograf ihre Bildsprache und Sprachbilder zusammenführten. «Dabei haben beide eigenständig gearbeitet und Bestehendes kombiniert,» so Raphael Köppel. «Mit Blick auf das Gemeinschaftswerk ist es erstaunlich, dass sich die beiden nicht schon früher zur Zusammenarbeit entschlossen. Denn beide lieben die Natur, nehmen ihre Umgebung feinfühlig wahr und haben ihren ganz eigenen Stil gefunden.»
Elsbeth Maag widme ihre Sprachbilder den Jahreszeiten, dem Wetter, Himmel, Steinen oder dem Föhn. «Alles Sujets, die auch bei Sepp Köppel eine Rolle spielen. Viele seiner Bilder wirken poetisch, vor allem, wenn er die Vergänglichkeit von Blumen einfängt. Die Sprachbilder von Elsbeth Maag kommen leichtfüssig daher und sind doch tiefgründig», betonte Raphael Köppel. «Es ist ein stilles Buch, es schreit nicht in die Welt hinaus, macht keinen Lärm, um gehört zu werden, und doch lädt es dazu ein, darin immer wieder zu lesen und die Bilder zu betrachten. Es ist wie Brot, verleidet nie und schmeckt jeden Tag aufs Neue.»
«Verlegen macht dich die Schönheit einer Blume – mit einer müden Geste berührst du dein Gesicht», so einer der Verse aus dem Buch. Oder: «Heute am Rhein gelesen gehört, Steinschrift und Wassersprache, die Formen begriffen, die Formel nicht.» Passend zur Lyrik erfreut sich der Betrachter an Bildern – eine Symbiose von Sprachbildern und Bildsprache.
Bis ein Buch, wie es in der Alten Mühle präsentiert werden konnte, in seiner ganzen Pracht vorliegt, braucht es einiges an Vorbereitung und Arbeit. Die Gestaltung, das Papier und der Druck mussten bestimmt werden, und nach der Präsentation waren sich die Gäste einig: «Die technische Seite tritt zu Gunsten von Lyrik und Fotografie in den Hintergrund.» Oder um es mit den Worten von Raphael Köppel zu sagen: «Jede Seite erzählt vom Geist der Künstler, von ihrer Liebe zur Natur, aber auch von der Demut, mit der sie ihre Passion ausführen.»
Eine Information gab’s zur Schrift, die im Buch verwendet wird: «Die Adobe Jenson Pro stammt aus dem 15. Jahrhundert, also aus der gleichen Epoche wie die Alte Mühle,» liess Raphael Köppel die Gäste wissen.
Nach der Präsentation konnte das Buch vor Ort gekauft werden.

Bericht von Adi Lippuner (Werdenberger & Obertoggenburger, 25.09.2017)

Stefan Waghubinger

18. August 2017  "Aussergewöhnliche Belastungen"

 

Stefan Waghubinger ist ein begnadeter Satiriker und sorgte in der Alten Mühle für einen heiteren Freitagabend. Die Vorstellung war im Rahmen des Sommerfestes den Patronatsmitgliedern dieses Kulturtreffs in Gams gewidmet. Der Sommeranlass der Alten Mühle gilt einerseits als Dankeschön gegenüber den Patronatsmitgliedern für ihre jährliche Unterstützung, andererseits der Freundschaftspflege.
Zur Einstimmung präsentierte der studierte Theologe Stefan Waghubinger seinen Soloauftritt «Aussergewöhnliche Belastung» in sprachlich geschliffener Manier. Im Zentrum stand «seine» Steuererklärung. Der Künstler kreiert dabei die Figur des normalen Bürgers, der es nicht schafft, die Steuererklärung auszufüllen. Damit schafft er aber schon mal Zugang zum Publikum. Wer füllt schon gerne die Steuererklärung aus? Und so schweift Waghubinger immer wieder vom Thema ab, weil ihm so viele andere Kuriositäten aus dem Leben der Mitmenschen in den Sinn kommen. Das macht er mit gekonnten Wortspielereien, wie zum Beispiel: «Ein Mann und eine Steuer – ein Steuermann.»
Mit seinen passenden Formulierungen – zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort – schafft es der Künstler immer wieder, die ganze Aufmerksamkeit auf sein Gesagtes zu lenken – mit trockenen Pointen.
Waghubinger setzt dabei seine ruhige Art ein, eher unaufgeregt mit ebenso ruhigen Gesten und Mimik. Wortspielereien setzt er gekonnt ein und überrascht immer wieder mit einer unverhofften Äusserung, die schliesslich häufig ein Lachen in globo beim Publikum auslöst. Dabei ist er nie oberflächlich. Seine tiefsinnigen Einschiebungen regen geradezu zum Nachdenken an.
Nach der einstündigen Kost für Gehirn, Geist und Seele gab es auch noch etwas Bekömmliches für den Magen.

Werdenberger & Obertoggenburger, 21.08.2017

Duo Luna-tic

16. Juni 2017  "On Air"

 

Das Hören eines Radiosenders gestaltet sich im Normalfall eher wenig spektakulär oder aufregend. Egal ob zu Hause oder unterwegs, ist stets nur eine Stimme zu hören, die über das Wetter, die Verkehrslage oder aktuelle Nachrichten berichtet und zwischendurch Musik abspielt.
Ganz anders aber erlebten die Gäste der Alten Mühle in Gams am vergangenen Freitag eine Radiosendung, die sie wohl nicht so schnell vergessen werden. Das Duo Luna-tic, bestehend aus Stéfanie Lang und Judith Bach, stellte mit ihrer Show «On air» nicht nur den absoluten Hörgenuss bereit, sondern mit ihrer humorvollen und leidenschaftlichen Bühnenaufführung gab es auch einiges zu sehen und zu bewundern. Radio Luna-tic war für knapp zwei Stunden live auf Sendung und deckte eine unglaubliche Bandbreite an Themen und an leisen, lauten, romantischen, poetischen und humorvollen Chansons ab.
Lang, alias Olli aus Ostparis, und Bach, Claire aus Berlin, schufen eine Radiostation voller Witz und Emotionen.
«Wir wollten ein Programm auf die Beine stellen, das sich von unseren bisherigen unterschied. Mit dem Radiosender konnten wir genau das erreichen, da sich unser Auftritt so auf zwei Ebenen aufgliedert: das Hören des Radios und die Bühnenshow,» sagte die gebürtige Berlinerin Judith Bach, die die Rolle der Claire spielte.
Etwas Einzigartiges zu kreieren ist den beiden Kabarettisten schliesslich auch gelungen. Die Zuschauer wurden aktiv und häufig in das Geschehen miteingebunden, wodurch ihnen nicht nur die Rolle des passiven Zuhörers zuteil wurde.
Daran fanden die Gäste sichtlich Gefallen, denn lauthals sangen sie nach Aufforderung des Duos mit, machten Autogeräusche nach oder bekundeten ihre Botschaft an die Welt, als diese gefordert war.
Während des ganzen Programms herrschte eine ausgelassene Stimmung und die Bauchmuskeln jedes einzelnen wurden des Öfteren auf die Probe gestellt. «Dass das Publikum unser Programm schätzt, liegt meiner Meinung daran, dass ich eher die poetischen Themen in unsere Auftritte miteinfliessen lasse und Judith definitiv für den Humorfaktor zuständig ist. Die sich daraus ergebende Mischung ist das, was uns einerseits auszeichnet und andererseits dafür sorgt, dass alles so gut funktioniert», fügte Lang an.
Bereits nach wenigen Minuten auf Sendung kristallisierte sich klar heraus, dass die beiden Powerfrauen wohl noch nie für die Produktion eines Radiosenders verantwortlich waren. Chaotisch und mit vielen Emotionen schlugen sie sich durch die Nacht, um alle Hörer, die um drei Uhr nachts noch wach waren – also «Fernfahrer, Astronauten, Krankenschwestern» –, zu unterhalten.
Mit Hilfe eines Klaviers sangen sie Chansons in Französisch, Spanisch, Italienisch und Deutsch, wohl damit sie auch jeder der «Millionen von Zuhörern», wie sie sich sagten, auch verstehe. Doch am Ende kamen den beiden Moderatorinnen Zweifel auf, ob zu dieser späten Stunde überhaupt noch jemand wach sei. Nach einer kurzen Krise kam das Powerduo aber zum Schluss, dass «es egal ist, solange unser Live-Publikum begeistert ist».

Bericht von Julia Kaufmann (Werdenberger & Obertoggenburger, 19.06.2017)

Ueli Schmezer

06. Mai 2017  "Chinderland" / "MatterLive"

 

«Lueg, de chunnt amel im Fernseh, wenn du scho schlofsch», sagt während des Konzerts eine Mutter zum ihrem Sohn. «Der» ist Ueli Schmezer. Für sein Kinderprogramm «Chinderland» und einem Konzert am Abend mit «MatterLive» reiste er mit Band am Samstag von Bern nach Gams in die Alte Mühle. Am Nachmittag wurde mit den jungen Gästen das «Mühlegespenst» gemeinsam weggesungen und über Gemüse gelästert. Abends gaben die drei Musiker neu interpretierte Mani- Matter-Klassiker auf der Bühne zum Besten.

Ueli Schmezer ist den meisten als Moderator und Redaktor aus der Sendung «Kassensturz» im Schweizer Fernsehen bekannt. Erste musikalische Erfolge feierte er aber bereits Mitte der 1980er. Damals als «Jules» mit Liedern wie «I Want You». Die erste CD für Kinder mit dem Namen «Chinderland» erschien 2001. Seit damals sind zwei weitere «Chinderland»-Alben entstanden. Die Klassiker «Bagger», «Zoo», «Mis liebschte Gmües isch Cervelat» und «123456sibe» kommen auch an diesem Samstagnachmittag gut bei den Kindern an, und es wird kräftig mitgesungen. Mit ihrer sympathischen Art und Lebensfreude punktet die Band bei Kindern wie auch Erwachsenen.

«Das Meiste ist bei mir Zufall. Ich habe die Kindermusik gemacht und war dann an einer Plattentaufe von zwei akustischen Gitarristen. Da kam mir die Idee, komm, wir machen zusammen Musik, habe die beiden gefragt und los gings.» Mittlerweile hat sich die Formation geändert, die Mani-Matter-Lieder sind geblieben. Als Kind hörte er Mani Matter, das erste auswendig gesungene Lied war «Ds Nünitram». Heute interpretiert er die berndeutschen Chansons neu. 2004 und 2006 brachte er je ein Album heraus und 2009 erschien sein Mundartrock-Album «Himustärnehimu».

«MatterLive» wie auch die Chinderlieder-Band bestehen aus dem Gitarristen Nick Perrin, Michel Poffet am Ukulele-Bass und Kontrabass und Schmezer singt und spielt ebenfalls Gitarre.

Frühere Texte für die Kinderlieder entstanden mit seinem Sohn. Das sei jeweils ganz schnell entstanden. Heute entwachsen die Texte aus dem Alltag. «Vor kurzem habe ich im Bus einer Kita-Gruppe zugehört, die gerade im Zoo war. Ein Kind redete immer vom ‹Gaggi-Monster› im Zoo, und schon war eine neue Idee geboren.» Einige der Lieder sind Covers von englischsprachigen Klassikern wie «Abacadabra» von Steve Miller.

«Die Kinder sind eindeutig das anspruchsvollere Publikum», sagt Schmezer. «Überspitzt gesagt, muss man viel mehr kämpfen.» Denn bei den jüngeren Gästen ist die Aufmerksamkeit schnell nicht mehr vorhanden. Bei «feineren Tönen» sei es am anspruchsvollsten. Da müsse man oft situativ entscheiden und es verlange hohe Konzentration. «Und die Erwachsenen laufen auch nicht einfach aus dem Raum wenn sie keine Lust mehr haben und für ein Konzert bezahlt haben», meint Ueli Schmezer mit einem Lachen im Gesicht. Da könne man gut einfach drauflosspielen.

Oft wird an einem Tag beides kombiniert: nachmittags ein Kinderkonzert, abends dann ein Konzert «für die Grossen». An solch einem anspruchsvollen und vollgepackten Tag brauchen die drei ein feines Znachtessen vom Veranstalter. Ein Schläfchen zwischendurch sei nicht nötig. Das gäbe es dann spätabends oder frühmorgens, wieder zurück in Bern.

Bericht von Mengia Albertin (Werdenberger & Obertoggenburger, 08.05.2017)

Andreas Thiel

03. März 2017  "Der Humor"

 

Schon er selbst ist ein Statement: Regenbogenfarbener Irokesenschnitt im feinen Massanzug, dazu kein Wasser, sondern lieber gleich eine ganze Flasche edlen Moët & Chandon. International ausgezeichnet mit dem Salzburger Stier und dem Deutschen Kabarettpreis gehört Andreas Thiel in der Comedy-Szene zu den ganz Grossen: Seine Pfeile treffen. Seine Pointen sitzen.
Als eine Art «learning by doing» führt er dem Publikum jeweils erst die Praxis und dann die Theorie des Humors in seinen Facetten vor Augen. Sprachlich präzise und kraftvoll, dann wieder beherzt masslos und provokant, bedient er sich aller Schubladen von flach, über geistreich bis hin zu philosophisch. Er selbst möchte dabei nur der Spiegel sein: Reinschauen müsse jeder selbst, und wenn das nicht gefällt, könne der Spiegel nichts dafür. Ganz klar grenzt sich der Berner als Satiriker von der Comedy ab.
«Comedy ist lustig, Satire ist nicht lustig, aber wahr. Um Wahrheit zu vertragen, braucht es Humor», machte der bekennende Buddhist deutlich. «Ein Satiriker überlegt sich, was er sagt. Ob das Publikum lacht, ist ihm egal.» In einem Satz zusammengefasst ist für Andreas Thiel Humor die höchste Form von Erkenntnis, und zwar die, dass nichts so ernst sei, wie es scheine. Dazu gehöre besonders, sich selbst nicht so ernst zu nehmen. Der Komiker brauche keinen Humor, so Thiel. Er müsse nur das Handwerk und den
Mechanismus des Lachens verstehen. In distanziertem «Bühnenhochdeutsch» als neutraler Sprache erläutert Thiel, was Lachen auslöst: Lachen entsteht durch den «Aha-Effekt», indem das Gehirn etwas wiedererkennt. Es gibt aber auch den Lacher aus Überforderung: Sinnlose Aneinanderreihungen ohne Pointen oder schnelle, komplizierte Sprache des Komikers bezwecken eine Überforderung im Gehirn, das mit einem Lacher «kapituliert».
So exerziert der Satiriker didaktisch ein Stilmittel nach dem anderen an seinem Publikum: Ironie, Sarkasmus, Übertreibung, Zynismus, Wortspiel, Absurdität, Provokation, Schadenfreude und Grenzüberschreitung – und zeigt jeweils, wie dies alles reflexartig Lachen bewirkt. Für die konkreten Beispiele und amüsanten bis scharfen, teils bissigen Pointen müssen dabei so manche herhalten: Die Deutschen, die Franzosen, Schwarze, Juristen, Journalisten, Doris Leuthard und Roger Schawinsky. Spätestens am Ende wurde klar: Lachen hat nichts mit Humor zu tun, Lächeln schon. Thiel siedelt den Humor auf der Ebene des Intellekts an: Als die geistige Beweglichkeit, die es erlaubt, heiter lächelnd die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Sieht man von der schrillen Verpackung ab, wird die Show in ihrer Essenz erkennbar: als ein leidenschaftliches Plädoyer für Toleranz und Meinungsfreiheit.

Bericht von Ursula Wegstein (Werdenberger & Obertoggenburger, 06.03.2017)

Simon Chen

03. Februar 2017  "MEINE REDE"

 

Kein Platz blieb unbesetzt. In Gams und Region schätzt man Kunst und Kultur. Im Einstieg liess Kabarettist Simon Chen durch banales Umsehen und Ärmelhochkrempeln die Spannung steigen. Doch gleich belohnte Lachen die Zuschauer. Nur hin und wieder sassen sie still und betroffen von der Wahrheit über die Wirklichkeit, die da in Worte gefasst wurde, denn Simon Chen reimte blitzschnell, phantasiereich und sehr brisant. Reden seien wichtig, denn oft wolle man damit hohe Ziele erreichen. Dabei müssten sich die Redner aber dem Anlass anpassen – gut angezogen indoktrinieren oder locker präsentieren? Und wo sind die Hände, aussen oder in den Hosentaschen? Man müsse zudem den richtigen Ton treffen, Mitsprache gewähren, aber auch beschwichtigen können. Und die Regeln einer Rede? «Sie soll nicht trocken sein, sondern mit Anekdoten, Zitaten oder knallharten Fakten bereichert», so Chen. Und man soll nicht vergleichen, nicht pauschalisieren, doch offen denken, aber sich vorsichtig äussern, also eher mit «dürfte und könnte» in Wahrscheinlichkeitsform, empfahl er.

«Gerade die Politik ist ein Fettnapfgebiet, in dem man schnell Fehler macht. Aber wer in der Politik im Gespräch bleiben will, hält Reden» konkretisierte er. Und gleich zeigte er Pointen zu Wahlreden auf. «Die Schweiz ist ein Wanderland mit Rechts- und Linksvortritt. Und nicht selten werden ‹Vor-der-Wahl-Versprechen› nach der Wahl als ‹Versprecher› deklariert», wortspielte er spöttisch. Überhaupt: Reden seien wichtig im Leben, betonte der Kabarettist und inszenierte flugs eine pathetische Abdankungsrede zum Weggang von Jürg Melchior Kratapötzl. Er lehrte auch, dass Reden nicht nur durch Worte wirken sollen, sondern eher durch Mimik und Gestik, und diese Fähigkeit sei ja allen gegeben – ausser Bundesrat Schneider-Ammann.

Dann ging es Schlag auf Schlag. Kabarettist Simon Chen schonte gar nichts und niemanden. In Politsatire durchleuchtete er die Parteien und deren Populisten oder Propagandisten. Da stand Bundesrat Burkhalter gegen Alain Berset und Blocher zu Trump und Putin im Vergleich. Satiren handelten von Abstimmungsbeteiligung, von Einwanderungspolitik und der Stellung unseres Landes zur EU; Zitat dazu: «We need foreign people but we don’t like them.» Daneben streifte er Giovanni Infantino (Fifa), und mit Bischof Huonder als kirchlichem Nachfolger Gottes war auch von Spannungen zwischen den Religionen die Rede. Das Klingenkreuzen einer Podiumsdiskussion und ein Seminarleiter mit seiner Überzeugungskunst wurden zum kabarettistischen Bild und rundeten ab. Simon Chen ist ein hochtalentierter Wortkünstler, der Rolle um Rolle charakterisiert. Kabarett heisse für ihn: «Mit Mimik, Gestik und Wortspielen Geschehnisse und Begebenheiten mit Metaphern und Bildern, auch Feindbildern, herunterzubrechen und allen möglichst humoristisch verständlich zu machen. Und dies gelang ihm in seinem Auftritt «Meine Rede» perfekt.

Bericht von Silvia Frick (Werdenberger & Obertoggenburger, 06.02.2017)

David Bröckelmann & Salomé Jantz

25. November 2016  "Ich mag Tisch"

 

In der Alten Mühle wurde am Freitagabend, 25. November 2016, gelacht, gelacht und nochmals gelacht. Dafür sorgte das Duo David Bröckelmann und Salomé Jantz – zwei begnadete Sprachkünstler, Schauspieler und Parodisten. Die Vorstellung beginnt ganz harmlos mit «Echo der Zeit» von Radio SRF und der Nachricht über die eierlegende Wollmilchsau und weiteren abstrusen Berichterstattungen bis hin zum Sport. Und genau hier kam David Bröckelmann ins Spiel. Als Sportjournalist. Wenige Passagen später tritt «Hakan Yakin» auf die Bühne, und schon ging das Gelächter los. Bald darauf kam der Spitzenfussballer Alex Frei in breitem «Baseldiitsch» zu Wort: «Am Ändi vom Tag säg i guete Obig mitenand». Bald musste das Publikum erkennen, dass es David Bröckelmann meisterhaft schafft, mit seinem Sprachentalent und den akzentfreien Dialekten Prominenz aus Sport, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Medienleute hervorragend zu parodieren. Bröckelmann findet für sein Programm offensichtlich einen unerschöpflichen Fundus an Versprechern und nichtssagenden Sätzen aus Radio- und Fernsehberichten des SRF, die sich geradezu anbieten, karikiert zu werden. Das macht er sich – zur Freude des Publikums – auf charmante Weise ganz schön zu Nutze. Es ist nicht nur der Dialekt, den er als Basler auch in «Bärntüütsch» oder in Ostschweizer Dialekten ebenso perfekt beherrscht, wie das Deutsch mit französischem Akzent, wenn er Christian Levrat auf die Schippe nimmt. Die Wortwahl und der Tonfall von Menschen, die in der Öffentlichkeit erscheinen, breitet er vor dem Publikum hervorragend aus. Dabei karikiert er häufig nicht nur den Sprachinhalt der Prominenz, er setzt auch seine Körpersprache ein. Das ist ihm übrigens bei Kurt Aeschbacher ebenso grandios gelungen wie bei Hakan Yakin. Kaum setzt der Kabarettist zum ersten Satz an, ist klar, das ist Aeschbacher oder eben Yakin. Dazu bedarf es keinerlei weiteren Hinweise. Am Küchentisch diskutieren folgerichtig Salomé Jantz und David Bröckelmann über Essen und Kochen. Salomé schlägt David vor, etwas aus dem Kochkurs «Vegan mit Elan» zu kochen. David hat aber keine Lust auf Rohkost-Lasagne. Minuten später bedankt sich Bröckelmann als Kochkursleiter bei der Berufsschule Gams, weil sie ihm «in der Mensa Asyl gewährt» für den Kurs «Fleisch so weit das Auge reicht». Und das in süddeutschem Dialekt – vermischt mit Schweizerdeutsch. «Bei ‹Netz Natur› kommen Tierli vor, das isch Jööö», ermunterte David seine Ehefrau Salomé, die sich lieber auf «Glanz & Gloria» eingerichtet hätte. Sie schlägt deshalb die Fusion der beiden Fernsehsendungen vor. Murrend stimmt David diesem Ansinnen zu, nennt die Sendung «Netz Gloria» oder «Glanz Natur» und wirft einen Blick auf «die Nerz-Pelz-Kuh». Salomé Jantz spielt die Rolle der Jetset-Lady Irina Beller hervorragend. Bekleidet mit einer Pelzjacke proklamiert sie in russisch gefärbten Deutsch: «Tiere haben es besser bei mir als im kalten Wald» und zeigt auf ihre Echtpelz-Jacke. Fast zeitgleich schlüpft sie in die Haut von Christa Rigozzi und sagt – mit unverkennbarer Tessiner Sprachtönung «soooo herzig». Dem Duo gelingt es, die Schweizer Prominenz auf einzigartige Weise zu parodieren, so dass die Besucher sich kaum satthören können ob den Darstellungen von Persönlichkeiten aus Sport, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Das Aha-Erlebnis ist garantiert.  

Bericht von Heidy Beyeler (Werdenberger & Obertoggenburger, 28.11.2016)  

CHORA-Theater

30. Oktober 2016  "Freunde für's Leben"

 

Am Sonntagmorgen, 30. Oktober 2016, führte Margrit Proske ein Figurentheater für Kinder in der Alten Mühle im Gams auf. Sobald es im Saal der alten Mühle Gams dunkel wurde, erklang stimmungsvolle Musik und über der Bühne, ging eine grosse goldene Sonne auf und der Tag begann. Schon bald zeigten sich die ersten Tiere der Savanne, Giraffen und ein Nilpferd, und genossen das plätschernde Wasser und die heisse Sonne. Doch der Tag sollte nicht wie jeder andere enden. Margrit Proske ist leidenschaftliche Inhaberin, Künstlerin wie auch Gründerin des Ein-Frau-Unternehmens Chora-Theaters. Das Figurentheater führt Stücke für Kinder aber auch für Erwachsene, in der ganzen Schweiz und in Deutschland auf und gestaltet ebenfalls Theaterprojekte mit Kindern. In der Region hatte Proske bereits Auftritte mit Projekten wie «Auch Eisbären können frieren» oder «Der Magier – Szenen einer Wandlung.» Proske hat in Bochum eine Ausbildung am Figurentheater-Kolleg gemacht und promovierte in Theaterwissenschaften. Seit nun schon über vierzehn Jahren feiert ihr Chora-Theater Erfolge im deutschsprachigen Raum. Beim Figurentheater wird mit den Utensilien auf der Bühne spielerisch und interaktiv gearbeitet. Dies erfordert Hingabe und wie es scheint, auch den Mut zu überraschenden Ideen. Die Kinder waren von der Magie des Stücks gepackt und auch die erwachsenen Zuschauer verfolgten das Schauspiel konzentriert. Diese Form des Theaters berührt bestimmt nicht jedermann, doch es beeindruckt, wie die Künstlerin den eigentlich starren und vorgefertigten Figuren geschickt Leben einhaucht. Die Gazelle flitzt flink umher, der geschmeidige Gepard schleicht sich an, der herrische Löwe verteidigt sein Revier, das gemütliche Nilpferd planscht in seinem Wasserloch und die Giraffe stolziert ab und zu ins Bild. Alle waren sie mit von der Partie und suchten im aufgeführten Stück ein Wasserloch für ihren Freund, das Nilpferd. Denn diesem war sein Wasserloch abhanden gekommen, welches es so dringend brauchte. Die tierischen Freunde unternahmen eine lange Reise und landeten schliesslich bei mächtigen Elefanten, die ihnen behilflich waren. Die Reise war beendet und ihr Freund, das Nilpferd gerettet. Nach diesem Erlebnis konnten Giraffe, Gepard, Zebra und Löwe in Zukunft freundschaftlich zusammen zum Wasserloch kommen. Nach dem Stück starteten Gäste und Künstlerin mit einem Apéro in der Alten Mühle in den sonnigen Sonntagnachmittag.   

Bericht von Mengia Albertin (Werdenberger & Obertoggenburger, 31.10.2016)  

Trachtigallen und TONikum

13. September 2016  "Musig fürs Gmüet"

 

An diesem Dienstagabend war die Alte Mühle gut gefüllt mit Gästen, welche sich am Tag der Kleinkunst zu einem rundum gelungenen Anlass mit den Trachtigallen und dem Ensemble Tonikum dort einfanden. Der Schweizer Kleinkunsttag findet jeweils am 13. September statt. Für diesen speziellen Tag wollten die Veranstalter der Alten Mühle Gams gerne Künstler aus der Region präsentieren. Es sei jedoch gar nicht so leicht, solche zu finden. Mit den beiden Gruppen Tonikum und Nachtigallen, welche die Liebe zu volkstümlicher Musik verbindet, ergab sich ein abwechslungsreiches Programm. Die vielen Zuhörer zeigten, dass die Kleinkunst nicht klein sein muss, sondern auch «gross sein kann.» Laut, leise, traurig, lüpfig und heiter schallten die volkstümlichen Lieder durch die hölzig-gemütlichen Räume und die Besucher kamen auf ihre Kosten. Musikalisch startete der Abend mit der engagierten Gruppe Tonikum. Das Ensemble besteht aus Bernadette Helbling, Patrizia Bislin, Irene Müller, Silvia Bättig und dem «Hahn im Korb», Hans Köppel. Initiiert und unterstützt wurde und wird die musikalische Truppe von Markus Nauer. Volkstümlich bewegten sie sich mit abwechselndem Einsatz verschiedener Instrumente quer durch den gesamten Globus. So ging es von Frankreich und Bulgarien bis nach Spanien und zum Country-Stück wurde sogar kräftig gesungen. Seit drei Jahren besteht Tonikum bereits, in dieser Formation hätten sie heute zum ersten Mal einen Auftritt gehabt. Mit Charme, Humor, natürlicher Art und musikalischem Können überzeugte die Gruppe. Die Trachtigallen haben ihren Namen von den «Werdenberger Nachtigallen» abgeleitet, wie eine der Sängerinnen, Judith Kessler, erzählt. Alle Mitglieder kommen aus der Region und treffen sich aus der Liebe zum Singen von Volksliedern. Diese Leidenschaft ist für den Zuhörer wie auch für den Zuschauer spürbar. Die sieben Sängerinnen (Vreni Keller, Judith Kessler, Claudia Gämperli Schmid, Monika Hübner, Marianne Reinhold, Verena Aerne und Regula Sturzenegger) treten stets in ihren traditionellen Trachten auf. Die Frauen präsentierten die Stücke mit grossem Ausdruck und Witz. Die Lieder erzählten von Stubeten und den dazugehörigen Traditionen, von «Tanzfüdlis» mit durchgetanzten Schuhen, von Liebe und Leid und vom Leben selbst. Zum Schluss spielten Tonikum und Trachtigallen ein gemeinsames, in der Region nur allzu bekanntes Volkslied: das Werdenberger Lied. Dies sei angeblich ein Plagiat, denn die Melodie stamme vom «Säuliämterlied aus Affoltern.» Den Werdenbergern habe es so zugesagt, dass sie prompt einen eigenen Text dazu durchsetzten. Auch solche interessanten Anekdoten zu Fakten aus der Region machten den Abend zu einem gelungenen Anlass und die Gäste waren sichtlich zufrieden. Diese Zufriedenheit wurde mit einer abschliessenden Verlosung für Tickets von Theatern in der Region vollends abgerundet.  

Bericht von Mengia Albertin (Werdenberger & Obertoggenburger, 14.09.2016)  

Tangorea-Quartett - Annalise Bereiter

24. Juni 2016  "From Tango to Chick Corea"

 

Die Patronatsmitglieder der Alten Mühle Gams gönnten sich anlässlich des Sommerevents einen schönen Sommerabend mit einem Konzert der Formation Tangorea mit Bandleaderin Annalise Bereiter und drei Berufsmusikern. Denn einmal im Jahr kommen die Patronatsmitglieder der Alten Mühle Gams in den Genuss von einem ganz privaten Kulturabend. Ein kultureller Anlass, verbunden mit anschliessendem Imbiss sowie lockeren Gesprächen unter Kulturinteressierten macht den jährlich stattfindenden Sommeranlass unvergesslich. Dazu beigetragen hat am Freitag unbestritten das Konzert des Quartetts Tangorea unter der Leitung von Annalise Bereiter aus Grabs. Dabei wurden auch eigene Stücke von Bandleaderin Annalise Bereiter vorgetragen. Sie freut sich immer wieder, wenn diese beim Publikum besonders gut ankommen. Für ihre eigenen Kompositionen wurde sie in der Alten Mühle Gams mit besonderem Applaus honoriert. Sogar der Wettergott war der Veranstaltung gütig gestimmt. Nach einem leidenschaftlichen Konzert von Tangorea und Regen hellte der Himmel auf, und die Gäste konnten sich zu einem gemütlichen Ausklang des Abends niederlassen, zu Speis und Trank und angeregten Gesprächen. Die Leidenschaft der Grabser Bandleaderin Annalise Bereiter liegt voll und ganz beim Jazz – verbunden mit argentinischem Tango. Die Kombination von Jazz, Blues und Swing mit dem temperamentvollen Tango hätte nicht besser passen können. Da gab's beim Publikum auch schon mal glänzende Augen – die wohl auf unvergessliche Erinnerungen an früher zurückzuführen waren. Die Kombination mit den Berufsmusikern Erich Tiefenthaler, Querflöte; Reto Giacopuzzi, Schlagzeug; Dietmar Kirchner, Kontrabass, und Annalise Bereiter, Klavier, hätte für diesen Abend nicht idealer sein können. Jeder der Musiker hat zum Programm Höchstleistungen erbracht. Sei es der Flötist Tiefentaler mit seinen Einlagen, genauso wie Drummer Reto Giacopuzzi oder Kirchner mit seinem Kontrabass – ganz zur Zufriedenheit von Annalise Bereiter am Klavier als Arrangeurin und Komponistin. Das Zusammenspiel hat das Publikum hell begeistert. An diesem Abend wurde deutlich, wie wichtig es ist, dass eine Gruppe von Musikern miteinander gut harmoniert – in Stil, Ausdrucksweise und Intuition beziehungsweise Interpretation. Herausragend war sicher Erich Tiefenthaler, der es schaffte, mit seiner Querflöte den jeweiligen Stücken eine besondere Note zu verleihen. Genauso galt das Augenmerk Drummer Reto Giacopuzzi, der seinen Instrumenten Töne entlockte – alleine mit seinen Fingern, die unbestritten Nuancen von archaischer Musik hinterlassen. Sein Beitrag mit Annalise Bereiter (Klavier) bot eine besondere Kurzweil. Nicht zu vergessen das besondere Fingerspitzengefühl von Dietmar Kirchner auf seinem Kontrabass. Eines ist den vier Musikern gemein: Sie zeichnen sich mit einem überzeugenden Handwerk und einem grossen Engagement aus, sowohl für den Jazz wie für den Tango. 

Bericht von Heidy Beyeler (Werdenberger & Obertoggenburger, 27.06.2016)  

suchtpotenzial

28. Mai 2016  "Alko-Pop 100 Vol. %"

 

In der Schweiz kannte man die Berlinerin Julia Gámez Martin und die Schwäbin Ariane Müller bis vor wenigen Tagen noch nicht. Jetzt schon. Am Freitag standen sie in Olten auf der Bühne und am Samstag in Gams. So gesehen stellte die Alte Mühle Gams fast schon eine Schweizer Premiere dar. «Das sind die ersten beiden Auftritte, die wir ausserhalb Europas bisher hatten», sagt Julia. Die Zuschauer waren amüsiert. Und wie sich im Laufe des Abends zeigen sollte, kommen die beiden Erfinderinnen von Alko-Pop – «Musik von Betrunkenen für Betrunkene», wie sie es nennen – in der Schweiz unter dem Namen «Suchtpotenzial» gut an. Die Berlinerin traf auf der Musicalbühne auf eine Schwäbin. Vor drei Jahren verabschiedeten sich die beiden vom Musical und fühlen sich seitdem als Schwaberinnen – aus Schwaben und Berlin – auf den Kleinkunstbühnen sauwohl. Ihr gewähltes Format zeugt von grosser Wirkung und erstaunlichem Mut. 

Patrik Birrer, Präsident Alte Mühle Gams, stellte die beiden Künstlerinnen als brückenschlagende Musikkabarettistinnen vor, «die kein Blatt vor den Mund nehmen und mit viel Ironie über Penisneid, Gutmenschen, BH-Grössen und den eigentlichen Sinn des Lebens sinnieren und singen». Sie wirbeln wie verrückt durch alle Genres der Musik. Angefangen bei Hip-Hop, Rock, Pop, Jazz bis hin zum Chanson, gespickt mit Texten, die augenscheinlich meist als Schnapsideen in Bierlaune entstanden sind. Übrigens: Julia – eine wahrhaft begnadete Sängerin – begleitet von der ebenso berufenen Musikerin Ariane, begründete ihren Auftritt in der Alten Mühle Gams damit, dass «wir für das Altersheim zu laut und für den Kindergarten zu versaut sind, dafür aber leidenschaftlich albern, mit dem starken Hang zum Rockstar-Dasein». Mit folgendem Satz hat sie es auf den Punkt gebracht: «Für Wacken sind wir zu brav, fürs Kabarett viel zu heiss und fürs Ballett zu fett», lautet die singende Kritik ihrer selbst. Während des Auftritts reden die beiden Damen über ihr Künstlerdasein oder einfach über das ganz normale Leben von normalen Bürgern und die Gesellschaft. Das ist Bestandteil des Programms. Songs wie «Nimm mich» oder «Frau sucht Bauer» und viele weitere Themen hinterlassen einen ungewöhnlichen Eindruck. Mit Musik, welche die Adern anschwellen lässt, angereichert mit einer aussergewöhnlichen Stimme und rotzfrechen Texten, die nicht immer jugendfrei sind, verführen die Künstlerinnen das Publikum dazu, am Ball zu bleiben. Es wird nie langweilig. Auch wenn die Inhalte ihrer Lieder für manch einen oberflächlich erscheinen mögen, gründen sie in der Realität des Alltags im Unterhaltungsgeschäft ebenso wie im Leben unter Partnern und der Gesellschaft grundsätzlich. Die beiden Frauen bringen es mit frechen, schnoddrigen, kessen, provokativen Anmerkungen auf den Punkt. Ganz nach dem Motto: «Was gesagt werden muss, wird gesagt» – und zwar schnörkellos. Sie passen dabei nicht in irgendeine Schublade der Kleinkunst. Sie haben ihr eigenes Format gewählt und kommen damit auf hohem Niveau des Gesangs und der Musik authentisch daher.

Bericht von Heidy Beyeler (Werdenberger & Obertoggenburger, 30.05.2016)  

Vasecchi & Nater

29. April 2016  "Hier oder Jetzt"

 

Am kabarettistischen Liederabend in der Alten Mühle Gams ging es vornehmlich um den durchschnittlichen Durchschnitt der Mitte. Das Programm bot einen unterhaltenden Abend. Das Duo Valsecchi & Nater bekannte sich mit seinem Auftritt in der Alten Mühle zu den mittelmässigen Bürgern mit den Worten: «Ich bin äs Chind vom Mittelland und glaube an ä Uferstehig vom Mittelstand.» Damit wollten die beiden wohl ihre Ausgeglichen-heit bekräftigen – passend zu den Durchschnittsbürgern. Ihre Mundartlieder zeugen von Witz und Charme. Valsecchi schaffte Nähe zum Publikum, als er Empathie zum Rheintal bekundete. Er, als Walliser, wisse, was Randregion heisse – im Gegensatz zu seinem Bühnenpartner Pascal Nater aus Winterthur. Sein Heimatkanton befinde sich schliesslich auch in einer Randregion und sei somit ein kulturelles Reduit. «Ja», sagte der Winterthurer Nater, «ich komme aus einem Geberkanton und du aus einem Nehmerkanton.» Die beiden Künstler schaffen es, das Publikum mit Humor und gewürzt mit politischem Sarkasmus in Form von Musik, Gesang, Sprache und Geschichten aus dem Leben bei der Stange zu halten. Aber auch mit gesellschaftskritischen Themen, die Belangloses von Menschen berichten, die sich loslösen wollen vom Mittelmass. Menschen, die höher hinaus wollen, es aber mit Äusserlichkeiten doch nicht schaffen. Immer wieder schwingen Durchschnittswerte durch den Raum. Nater, ein etwas melancholisch wirkender Pianist – wie wir Pianisten aus den Hotellobbys kennen – stellt fest: «Unten ist scheisse, oben ist unerreichbar.» Die leisen Soloklänge von Pianist Nater wirken entspannend, auch wenn danach Persiflagen über Politik und Behörde folgen, die für Politiker und Verantwortliche in den Ämtern nicht gerade schmeichelhaft sind. Es wird von Geschichten aus dem Mittelland erzählt, wo es alles gibt: «Behördenverwaltungen, Miliz-Schulkommissionen, Mehrzweckräume» und vieles mehr. Valsecchi unterschreibt gerne Initiativen. Das gibt ihm immer so ein gutes Gefühl der politischen Aktivität mit direkter Mitbestimmung. Mit diesem Bekenntnis nähert er sich wiederum dem Publikum. Wenn dann aber drei Jahre später die Abstimmung ins Haus steht, hat er am Abstimmungssonntag ein Dilemma. Wofür soll er sich entscheiden? Der Parteipolitik folgen oder lieber ein alternatives Frühstück mit seiner Liebsten im Bett geniessen? Valsecchi beschreibt eine Generation, die alles will, nach der Ausgeglichenheit sucht und sich dabei «jung, urban und dynamisch hin zur Mitte bewegt». Das Duo zeichnet sich aus, dem Publikum aus scheinbaren Wichtigkeiten im Leben mit der Darstellung von unerschlossenen Belanglosigkeiten bewusst zu machen, dass es vielleicht noch etwas mehr gibt als Mittelmässigkeiten. Das drückten die beiden Männer spöttisch mit singendem, tanzendem und blödelndem Charme aus, was bei der Zuhörerschaft offensichtlich gut ankam. 

(Bericht von Heidi Beyeler im  Werdenberger & Obertoggenburger, 03.05.2016)

Karim Slama

1. April 2016  "Knacknuss"

Karim Slama auf der Bühne: Das bedeutet zwei Stunden volle Präsenz, Pantomime, Bewegung, Witz und unvergleichlichen Charme. Das Publikum in der Alten Mühle war vom Auftritt begeistert. Der multikulturelle Hintergrund von Karim Slama ist unverkennbar: Vater aus Tunesien, Mutter eine Luzernerin, die Ex-Frau aus Spanien und der Mann lebt in Lausanne. Dank seiner genauen Beobachtung – und basierend auf Herkunft und Erfahrung – entstand das aktuelle Programm «Knacknuss», welches am Freitagabend in der Alten Mühle in Gams zu erleben war. Mit einem fulminanten Start, Musik aus dem Lautsprecher und Karim Slama, der die verschiedenen Musiker perfekt imitiert, wurde ein Auftakt hingelegt, der hohe Erwartungen weckte. Schon bei der ersten Sequenz eine geballte Ladung Pantomime, Lebendigkeit und Humor. Dann die Frage: «Weshalb sind Sie alle hier? Etwa um mich zu sehen? Und was haben Sie bezahlt? 25 Franken für diesen Abend. Stellen Sie sich vor, Sie wären zu Hause geblieben, dann hätten Sie 25 Franken gespart.» Dieser Faden wurde gekonnt weitergesponnen. «Als Nichtraucher spare ich 2600 Franken im Jahr, dafür könnte ich mir ein neues iPhone, ein iPad und noch einiges mehr kaufen. Verzichte ich darauf, habe ich schon 5200 Franken gespart.» Sein Fazit: «Je mehr Verzicht, desto mehr Gewinn.» Oder eine andere Schlussfolgerung: «Zeitung lese ich immer noch am liebsten auf Papier statt auf dem iPad, denn mit der Zeitung kann ich eine Fliege erschlagen. Versuchen Sie das mal mit dem iPad, das geht sicher nur einmal.» Dann wurden Knacknüsse des Lebens aufgezählt: «Ich hasse platzende Abfallsäcke im Lift, mag nicht alleine im Restaurant essen, Billettautomaten sind das Letzte und Husten im Theater eine Katastrophe. Genau so schlimm ist es, ein Couvert abzuschlecken und sich dabei in die Zunge zu schneiden.» Die ganzen Aussagen immer begleitet von der passenden Darstellung der Knacknüsse. Oder die Geschichte mit dem Zoll: Ein arabischer Name, arabisches Aussehen, dann wird eindrücklich demonstriert, was am Zoll und später im Flugzeug erlebt wird. Sich selbst auf die Schippe nimmt Karim Slama mit der Vorstellung, wie er einen Auftritt im Greisenalter erleben würde. «Ich werde rechtzeitig aufhören», versprach er dem Publikum. Doch aktuell beschäftigt ihn die Herausforderung mit seinen drei Kindern. «Für den Jüngsten kann ein Stück Kuchen das Zentrum der Welt sein.» Dann ein kurzer Bogen zum Vater, wie der reagiert, wenn vor der Übertragung des Fussballspiels kein Bier im Kühlschrank ist – der Unterschied ist marginal. Eine weitere Knacknuss: Jeder erlebt mal, dass er oder sie unbedingt «muss». Bei Karim Slama geht dieser Sketch über mehrere Minuten, er hüpft über die Bühne, kommt dann zu Hause an und tut gegenüber den Kindern so, als ob er gar keine Eile hätte. Dann die Erleichterung; «Ja, ich bin ein Sitzpinkler», wird mit strahlendem Lachen erklärt. Apropos Kinder: Da möchte der Comedian der Grösste sein, auch wenn es nicht immer einfach ist. Die damit verbundenen Geschichten sind mitten aus dem Leben gegriffen. Fazit: Ein Abend voller Knacknüsse, welche das Leben auf unvergleichliche Art bereichern. 

(Bericht von Adi Lippuner im  Werdenberger & Obertoggenburger, 02.04.2016)

Jan Rutishauser

20. Februar 2016  "BurnOut"

 

Am Samstagabend, 20.02.2016, durfte sich das zahlreich erschienene Publikum in der Alten Mühle Gams mit dem kurzweiligen Programm «BurnOut» des Thurgauer Kabarettisten Jan Rutishauser vergnügen. Nach einem Apéro in der Kellerbar der heimeligen alten Mühle verteilten sich die Gäste auf den Plätzen. Unter leisem Gemurmel betritt dann der aus dem Thurgau stammende Kabarettist Jan Rutishauser die Bühne. Kaum anwesend, wird das Publikum von seinen enthusiastischen Erzählungen und Erklärungen zum Sinn des Lebens mitgerissen. Das vorerst zurückhaltende Auftreten des in Schwarz gekleideten Künstlers täuschte. Mit grosser Leidenschaft und einer Portion Selbstironie entführte er das Publikum in seine Welt. Gleich zu Beginn erklärte er, warum er nicht in seiner Muttersprache, sondern in Hochdeutsch vortrage. Grund eins: er könne es. Grund zwei: er sei Thurgauer. Den Dialekt und den Kanton nimmt er während der Vorführung gleich mehrmals aufs Korn. Der selbsternannte «Single des Jahres 2014, 2015 und höchstwahrscheinlich auch 2016», führte im Programm «BurnOut» durch verschiedene Irrungen und Wirrungen seines eigenen Lebens. So erzählte er beispielsweise, dass er seine erste Flamme mit Zaubertricks für sich begeistern wollte, Traum und Wirklichkeit in diesem Falle jedoch nicht sehr nahe beieinander lagen. Er habe bis 25 ohnehin immer gedacht, dass sich das ganze Leben um Frauen drehe und man danach stirbt. Gleich danach folgt eine emotionale Erzählung zu einer schmerzhaften Trennung. Genau diese Trennung habe ihn dann während des Liebeskummers auch auf das Schreiben gebracht. Der 28-Jährige ist unter anderem Gewinner des Songslams «Badhaus Szimpla» 2014 in Berlin und des Kleinkunstfestivals «Die Krönung» 2015 in Burgdorf. Der Kabarettist trat schon im Schweizer Fernsehen an der Seite von Claudio Zuccolini und Nils Heinrich in der Sendung «Comedy aus dem Labor» auf und sammelte bereits auf etlichen Bühnen im deutschsprachigen Raum Erfahrung. Sein abendfüllendes Programm «BurnOut» dreht sich um die Suche nach Leidenschaft und etwas, für das es sich zu brennen lohnt. Er hat viele Fragen und sucht in ausgewählten Anekdoten und an unterschiedlichen Orten eine Antwort. Seine Texte sind humoristisch, tragen aber manchmal auch eine bittere Note mit sich. Komik sei immer eine Mischung aus Wahrheit und Schmerz. Rutishauser betrachtet die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln und vermochte, dies dem Publikum in der Alten Mühle mit witzigen Pointen gekonnt mitzuteilen. Er könne sich keinen Psychotherapeuten leisten, doch dafür habe er das Publikum; und er sei nicht nur vom Pech verfolgt, nein, das Glück laufe ihm regelrecht nach – aber er sei schneller. Eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens findet er bis zum Schluss des Abends nicht. Seine Darbietungen sind unterschiedlich. Mal mit Gitarre Sally, mal ganz ruhig und ernst, ein anderes Mal mit fesselnder Gestik und Mimik. Der Künstler schloss die «Scuola Teatro Dimitri» mit dem Bachelor in «Physical Theatre» ab, führte sein Studium an der Pariser «Ecole Philippe Gaulier» fort und verbrachte sechs Monate an der «International School of Corporeal Mime» in London. Nach einer Zugabe endete der Abend mit dem Vortragen eines bisher unveröffentlichten Textes zum Umgang mit komplizierten Friseurbesuchen, und Rutishauser bedankte sich unter Applaus herzlich. Es sei sehr schön für ihn zu sehen, dass das Publikum einen so guten Geschmack habe. 

(Bericht von Mengia Albertin im  Werdenberger & Obertoggenburger, 22.02.2016)

Ute Hoffmann und Thomas Hassler

23. Januar 2016  "LORIOT - neu entdeckt"

 

Die Geschichten aus «Loriot neu entdeckt», wie sie in der Alten Mühle zu Beginn des Programmjahres präsentiert wurden, sind aus dem Leben geschrieben. Die Satiren von Vicco von Bülow sind nach wie vor beliebt. Sketche von Vicco von Bülow alias Loriot erfahren durch die Taff-Theaterproduktion Bad Ragaz, mit Ute Hoffmann und Thomas Hassler unter der Regie von René Schnoz, eine Wiederbelebung. «Loriot neu entdeckt» ging vor gut vier Monaten auf Tour – im In- und Ausland. Als scharfsichtiger Beobachter ist es Loriot gelungen, Alltagsszenen hin zu völlig absurden Situationen zu verwerten. Er hat es geschafft, Leute, die stets korrekt sein wollen und sich selber ernst nehmen, auf humorvolle Art zu karikieren. Für Ute Hoffmann und Thomas Hassler dürfte das Gastspiel in Gams eine absolute Herausforderung gewesen sein. Auf der kleinen Bühne haben sie es dank einem Minimum an Requisiten gerade noch geschafft, die räumliche Gestaltung so zu kreieren, dass das Bühnenbild unmittelbar so verändert werden konnte, damit es kohärent zu den einzelnen Sketchen stand. Aus dem reichhaltigen Vermächtnis von Loriot haben die beiden Schauspieler bekannte, aber auch weniger bekannte Sketche in ihr Programm aufgenommen. «Der persönliche Bunker» beziehungsweise der zweisitzige Kompaktschutzraum – ein Sketch, der von Loriot vor gut 30 Jahren geschrieben wurde, passt heute mehr denn je in unser Weltgeschehen. Der erste Teil des Programms war mehrheitlich Episoden gewidmet, welche die absurden Entwicklungen aus der Wissenschaft aufzeigten – nach dem Motto: alles ist möglich. Bei diesen Szenen gab es kaum ein Aha-Erlebnis aus dem Publikum, weil die Sketche nicht unbedingt das Alltagsleben aufzeigen. Der Zusammenhang zwischen damals – in den Achtzigerjahren – und heute war für etliche Besucher nicht mehr nachvollziehbar. Im Gegensatz dazu waren jene Parodien in der zweiten Hälfte des Programms leichter zu verstehen. Sketche, die auch heute noch jeder kapiert. Peinlichkeiten, die jedem passieren können oder schon passiert sind im gemeinsamen partnerschaftlichen Zusammenleben. Szenen, bei denen sich der eine oder andere Zuschauer entdeckt und Ähnlichkeiten aus dem eigenen Leben und sich selber erkennt. «Szenen einer Ehe», «Das Frühstücksei» oder «Liebe im Büro» sind typische Szenen von Loriot, die aus dem Alltagsleben einer Ehe gegriffen sind, wenn das Frühstücksei zu lange gekocht wird, der Fernseher kaputt ist oder über Politik gesprochen wird. Ein Zitat zum Buch «Männer und Frauen passen nicht zusammen» beschreibt die Situationen perfekt: «Was morgens mit Problemen bei der Zubereitung des Frühstückseis beginnt, endet am Abend häufig dramatisch, weil die Auffassungen darüber abweichen, wie man den Feierabend verbringen kann und wann der Fernseher einen ins Bett schickt.» – «Was machst du gerade?» – «Nichts!» kann bereits der Anfang einer Ehekrise sein. Wenn der Partner dann auch noch sagt, «ich sitze hier, weil es mir Spass macht!», kann dieser Dialog schon mal zu einer Eskalation führen, wie dies von Ute Hoffmann und Thomas Hassler nicht besser hätte dargestellt werden können. Das Publikum in der Alten Mühle zeigte sich angetan von den Darbietungen – besonders der zweite Teil fand guten Eingang bei Zuschauern, die Loriots Satire noch nicht kannten. 

(Bericht von Heidy Beyeler im Werdenberger & Obertoggenburger, 26.01.2016)  

Singa-pur und Susanna Kunz

20. November 2015 "Singa-pur supplément"

 

Das Publikum erlebte im Kulturtreff Alte Mühle Gams einen Abend mit fröhlichem Gesang und heiterer Lesung. Singa-Pur, die zehn Werdenberger Sängerinnen und Sänger, boten den Besuchern der Kleinbühne einen schönen Abend. Dazu gab es ein literarisches Supplement, ausdrucksvoll gelesen von Susanna Kranz. Sie wählte Texte von Heinz Erhardt und Friedrich Achleitner – passend und speziell ausgewählt zu den jeweiligen Gesangsvorträgen der A-cappella-Gruppe Singa-Pur. Mit dem ersten Liedervortrag «Si mached zue» von Dodo Hug verbreiteten die Sänger eher eine nachdenkliche, um nicht zu sagen düstere Stimmung. Da griff Bernadette Helbling, Mitglied der Betriebskommission Alte Mühle, ein mit den Worten und einem Augenzwinkern: «Hend ör nöd e chlie me Pfuff?», und schon machte sich durch das Lachen des Publikums Heiterkeit bemerkbar. Die Sänger liessen sich das nicht zweimal sagen und sangen «I feel good». Ein Lied nach dem anderen folgte – dazwischen Texte, gelesen von Susanne Kranz, die zum Nachdenken einluden – über Kurioses, Sinnwidriges und Paradoxes. Susanne Kranz sagt dazu: «Sprache ist Musik – Musik ist Sprache.» Die Sängerinnen und Sänger strahlten Lust und Freude am Singen aus. Diese Stimmung schwappte in kurzer Zeit auf das Publikum über. Die lesenden Einschübe von Susanna Kranz waren humorvoll, parodierend und mit feiner Satire angereichert. Die Zuhörerschaft war angetan von den textlich vorgetragenen Bildern der Autoren. Die Beiträge der Werdenberger A-cappella-Gruppe begeisterten das Publikum ebenso. Das swingende Programm – gepaart mit der auflockernden Lesung – gestaltete den Abend facetten- und abwechslungsreich. Das wurde auch vom Publikum mit ausgiebigem Beifall quittiert. Die zehnköpfige A-cappella-Gruppe zog das Publikum mit ihren Gesangsvorträgen von Evergreens, Chansons und Schlager in ihren Bann. Bis die Besucher etwas Ruhe einkehren liessen, waren mehrere Zugaben notwendig. Offiziell waren zwei Zugaben vorgesehen und zwar mit dem Werdenbergerlied, das da und dort in Erinnerung an früher heimatliche Gefühle aufkommen liess, sowie mit «What a wonderful world». Die Mitglieder der A-cappella-Gruppe waren gerührt und freuten sich immens über die grosse Anerkennung, so dass sie noch weitere Zugaben sangen. 

Bericht von Heidy Beyeler (Werdenberger & Obertoggenburger, 24. November 2015)

Sascha Korf

31. Oktober 2015 "Wer zuerst lacht, lacht am längsten"

 

Der Abend bot ein Feuerwerk der Schlagfertigkeit und Spontaneität. In seinem neuen Programm präsentierte die Turbozunge aus Köln nicht nur gnadenlos Lustiges, sondern Sascha nahm seine Fans auch mit zu den Wurzeln seiner Schlagfertigkeit und Spontanität...

Am Ende des Abends waren sich alle einig: Lustiger als mit Sascha Korf kann man Spontanität nicht erleben oder sogar erlernen.

Zu guter letzt konnte mit Nadine Helbling die 6000. Besucherin in der Alten Mühle begrüsst werden!

Figurentheater edthofer/engel

13. September 2015 "Unterwegs mit Edgar Hund"

 

Am Schweizer KleinKunstTag 2015 bescherte das mobile Theatervergnügen von Susan Edthofer und Stefan Engel einer grossen Kinderschar eine liebevoll-witzige Geschichte über Reisen, Freundschaft und Erfindungskunst. 

Eines Tages fühlte sich Edgar Hund plötzlich krank. Eigentlich fehlte ihm nichts, er hatte bloss Reisefieber und so beschloss er auf Reisen zu gehen. Unterwegs lernte er die etwas schusselige Schweinchen-Dame Romilda kennen, schloss Freundschaft mit der Strassenkatze Tinka und half der Erfinderratte Igor Zahnratzki, ein fantastisches Mobil zu konstruieren. Gemeinsam fuhren, schwammen, flogen die beiden um die Welt. Spannend und einfühlsam wars…

Claudio Zuccolini

19. Juni 2015 "iFach Zucco"
 

Es ist selten, dass ein Künstler es schafft, ein ganzes Publikum volle zwei Stunden zu amüsieren und die Leute jede Sekunde zu fesseln. Claudio Zuccolini ist dies in der Alten Mühle Gams ohne Wenn und Aber gelungen. Der Komiker – man könnte auch Satiriker sagen – nennt sich heute nicht mehr Zuccolini. «Ich bin iFach Zucco – kurz und bündig, wie iPhone, iBook oder iMac Das Leben ist viel zu kurz, um einen langen Namen zu haben.» Und dann gibt er so richtig Gas und setzt seine Karten auf Erfolg. Jeder kann steil nach oben steigen, falls er auf verlockende Angebote einsteigt. «Aber vielleicht wollen Sie ja das Geld, welches Sie heute Abend verdienen könnten, gar nicht verdienen», mutmasst «Zucco», wie er von seinen Fans genannt wird. Wie ein Profi steht er auf der Bühne und verspricht das Glück vom Himmel – natürlich mit raffinierten Einlagen. Zucco macht dem Publikum klar, wie verfänglich Sonderangebote sein können – für Dinge, die man vielleicht gar nicht braucht. Hauptsache, man macht ein Schnäppchen, das sich allerdings zu einer unerwarteten und ungewollten Investition entwickeln könnte. Während man früher in Sachen Essen genussvoll gelebt habe, heisse es heute allzu oft: «Ich esse vegan». Jeder kann machen was er will. «Wenn öpper Karton fressa will, denn söll er doch, wenn er dr Karton gäre het.» Interessant wird's aber, wenn das Gespräch im Freundeskreis auf die Intoleranz fällt. «Jeder hat heute Laktose-Intoleranz. Das ist langweilig, das hat heutzutage jeder. Wenn bald jeder glaubt, er habe eine Gluten-Intoleranz, ist es aus mit der Verständnis-Toleranz.» Irgendwann findet Zucco zurück zum eigentlichen Thema – dem Geldverdienen, «das locker zu machen ist» – auch wenn die Methode meist Verlierer hinterlässt. Auf verschlungenen Wegen können die Anwesenden erkennen, dass es sich dabei um ein Schneeballsystem handelt. Man nennt das heute im Business-Jargon «Multi-Level-Marketing». Wer kennt sie nicht, die Sprüche vom schnellen Geld und einem unerschöpflichen Reichtum. Auf raffinierte Marketingtricks sind schon viele reingefallen. Vor einem halben Jahr hatte Zucco seinen Auftritt beim Humorfestival in Arosa. Dort wurde er mit den Worten angekündigt: «Er ist ein sorgfältiger Beobachter, ein sehr talentierter Schauspieler, ein exzellenter Geschichtenerzähler und all diese Dinge machen Zucco zu einem witzigen Kabarettisten.» Und genauso war es in der Alten Mühle. Die Gäste waren begeistert. Am Freitagabend stand Claudio Zuccolini für die Mitglieder des Patronats Alte Mühle (Unterstützungs-/Gönnerverein) auf der Bühne. Anschliessend genossen die Gäste einen einfachen Imbiss aus der «Engel»-Küche, bei dem noch lange über die witzigen, manchmal auch mit einer Prise schwarzem Humor angereicherten Pointen geredet, gelacht und debattiert wurde. «Lauter Sachen aus unserem Leben, humorvoll und genial vorgebracht!», meinte eine Zuschauerin. Am Samstag gab Zucco in der Alten Mühle nochmals eine Vorstellung für die Öffentlichkeit. Er fand wiederum einen gut besetzten Saal vor, was des Künstlers Herz höher schlagen liess, je lauter das spontane Lachen der Zuschauer widerhallte. Das Publikum war angetan von Zuccolinis Auftritt. Gerade ein Kleintheater wie die Alte Mühle in Gams erlaubt es, mit den Künstlern buchstäblich auf Tuchfühlung zu gehen und mit ihnen ein paar persönliche Worte auszutauschen. Es war eine erheiternde Vorstellung, von denen viele Menschen noch zehren werden, vor allem wenn das Leben nicht immer so rund läuft.

Bericht von Risch D. Cantieni (Werdenberger & Obertoggenburger, 24. Juni 2015)

Thomas C. Breuer

29. Mai 2015


"Kabarett Sauvignon"

So viel hatten die Gäste in der Alten Mühle Gams schon lange nicht mehr gelacht wie an diesem Freitagabend. Seit beinahe 40 Jahren ist Thomas C. Breuer unterwegs. Er webt Gegebenheiten aus dem Alltag unterschiedlicher Menschen mit logischen Erkenntnissen zu einem bestimmten Thema zusammen. Daraus ergibt sich ein Teppich humorvoller Anekdoten. Und genauso gestaltete er seinen Auftritt in der Alten Mühle Gams mit seinem Programm «Kabarett Sauvignon» und bereitete dabei den Gästen zwei unterhaltsame Stunden. Dass er zum Schluss auch noch eine sehr individuelle Musikeinlage wagte, zeugt von einem guten Selbstbewusstsein. Sein Auftritt war gespickt mit Ironie, aber auch mit ganz schön deftiger Satire, um nicht zu sagen Sarkasmus, den man als Zuhörer auch vertragen muss. Und wie schreibt die Künstleragentur Brief und Siegel so schön: Die Auftritte von Thomas C. Breuer «sind anspruchsvoll, hinterhältig und nichts für schwache Nerven». Gegen seine Beiträge seien selbst die Humorlosesten nicht immun. Vorgestellt wurde Breuer in der Alten Mühle dem Publikum als aussergewöhnlicher Wortakrobat, der im vergangenen Jahr zum Preisträger des Salzburger Stiers auserkoren wurde – mit gutem Recht. Das stellte er an diesem Abend ohne Wenn und Aber unter Beweis. Patrik Birrer, Präsident der Betriebskommission Alte Mühle Gams, stellte Breuer als einen sensiblen Beobachter vor, «seine Wortspiele und Wortverdrehungen sind ebenso tiefsinnig wie witzig. Er versteht es immer wieder, das Publikum zu verblüffen. Wir laden Sie deshalb zu einer sprichwörtlichen Fahrt ins Blaue ein – zwischen Schöngeist und Flaschengeist – mal spritzig, mal trocken.» Zu den Requisiten von Thomas C. Breuer gehört ein Glas Rotwein. Und um Nähe und Sympathie zum Publikum zu schaffen, steckt er ein kleines Schweizer Fähnchen auf das Stehtischchen. Dann aber wirft er ein schwarz-rot-goldenes Tuch – die deutsche Flagge – protzig (oder vielleicht etwas trotzig?) über den Tischrand. Damit steckt beziehungsweise grenzt er schon mal sein Programm «Kabarett Sauvignon» ab, denn hier geht es schliesslich primär um Wein – aber auch um Befindlichkeiten zwischen Schweizern und Deutschen. Dass dabei der Wein die «Hauptfigur» spielt, ist Programm – damit traf der wortgewandte Breuer dementsprechend eine gute Auslese. Bei Breuer verhält es sich ähnlich wie bei einem guten Wein: Mit dem Alter wird er immer besser. Breuer konnte es nicht lassen und persiflierte die neusten Aktualitäten zum Thema Fifa und Welt-Fussball. Schliesslich trat der Kabarettist in einer heissen Phase dieses weltweit diskutierten Themas auf, dessen Zentrale im Herzen der Schweiz steht.

Bericht von Heidy Beyeler (Werdenberger & Obertoggenburger, 3. Juni 2015)

4some blues

25. April 2015



"Blues night"

In der Alten Mühle, dem Gamser Kulturzentrum, jammten am Wochenende die Leute von 4some Blues. Ein faszinierender Abend mit feinem Blues und Boogie und mit viel Spielfreude und Humor. Jazzmusiker sind eine recht eingeschworene Gesellschaft mit eigenen Weltanschauungen und man kennt sich in der Szene. Nein, das ganze Leben lang mit den ewig gleichen Leuten zusammen spielen, liegt den Individualisten nicht. So wechseln Formationen, neue entstehen, manchmal nur für eine Tournée, oder für zwei, drei Jahre. Das macht das Ganze so spannend, so entwickelt sich diese Musik weiter. Ein typischer Fall ist der «Lebenslauf» des Bassisten Dany Gehölz. Er hörte sich durch die Plattensammlung seines Vaters, infizierte sich mit dem Jazz- und Blues-Virus, brachte sich selber das Klavierspiel bei und spielte sich schon als 14-Jähriger auf den 5. Rang am internationalen Boogie- und Ragtime-Wettbewerb in Zürich, gründete seine erste Blues-Band, brachte sich das Bassspiel selbst bei und formte gemeinsam mit Peter Müller 15 Jahre lang das rhythmische Rückgrat der Mojo Blues Band. Er knüpft ständig Kontakte mit Musikern aus der Welt des Jazz und Blues und begleitete unzählige namhafte Musiker wie Eddie C. Campbell, Jimmy Walker, Big Smokey Smothers, Jay McShann, Jimmy Coe, Red Holloway, Bob Gaddy, Larry Dale, Jimmy McCracklin, Nappy Brown, Katie Webster, Clarence Hollimon, Champion Jack Dupree, A. C. Reed, Axel Zwingenberger. So oder ähnlich erging es auch dem Harp-Spieler und Sänger Walt Baumgartner. Zuerst leidenschaftlicher Sportler, «bekehrten» ihn Eric Clapton und Co zur Musik. Er wechselte das Fach und verschrieb sich dem Blues. Ihm zur Seite stehen an diesem Abend auch die zwei Wiener Musiker Hannes Kasehs (Gitarre) und Peter Müller, der Mann hinter der Küche, dem in jeder Beziehung farbigen Schlagzeug. Kasehs erzählt von sich: «Seit ich mit etwa 14 Jahren meine erste Hopkins-Platte erworben habe, beschäftige ich mich mit der Blues-Musik. Ich habe selten Preise gewonnen und noch nie mit B. B. King aufgenommen. Doch in den letzten 20 Jahren sammelte ich viel Erfahrung in Sachen Blues. Bei den vielen Tournéen traf ich mit internationalen Bluesgrössen wie Henry Gray, John Primer, Dave Myers, Steve Bell, Larry Garner, Johnny Allen, Big Jay Mc Neely, Louisiana Red, Vince Weber und Katie Webster zusammen.» «All ready Boys» fragt rufend der Bassist seine Kumpels, und los geht es. Es ist ein feiner, leiser Beginn. Zarte Mundharmonika-Klänge, am Schlagzeug hantiert Peter Müller fein zischend mit seinen Besen, eine Spielart, die man leider, ausser in Hotelbars, kaum mehr hört. Von 1989 bis 2001 sorgte er bei der Mojo Bluesband für den richtigen Drive. In Sachen Blues und Boogie eine «Grösse», nicht nur Begleiter, sondern Instrumentalist. Song um Song folgt, teils mit witzigen Einlagen. Von 1989 bis 2001 sorgte er bei der Mojo Bluesband für den richtigen Drive. Schubladisieren lässt sich der Stil von 4some Blues nicht. Irgendwie ist es eine musikalische Reise von den Südstaaten, New Orleans bis Chicago. Traditioneller Blues und Rhythm & Blues und viel Swing. Irgendwann knallt eine Saite, später nochmals ein Saitenriss. Die Musiker nehmen es gelassen. Irgendwann, eigentlich ein Höhepunkt. Walt Baumgartner ruft einen Zuhörer auf die Bühne, seinen alten Freund Walter Hollenstein. Gemeinsam röhren, singen, bluesen sie auf ihren kleinen Mundharmonikas. Die Instrumente sprechen miteinander, ein musikalisches Ruf-und-Antwort-Spiel, intensiv und kreativ. Die Besucher aus dem ganzen Werdenberg waren hell begeistert.



Bericht von Pius Bamert (Werdenberger & Obertoggenburger, 28.04.2015)

Marjolaine Minot

14. März 2015



"Mir stinkt das Glück"

 

Die Pariser Künstlerin Marjolaine Minot, die seit einigen Jahren in der Westschweiz lebt und wirkt, verzückte das Mühlenpublikum mit ihrem subtilen Solo-Theater. Die Bühne der Alten Mühle war zum Wohnzimmer umfunktioniert: 14 Roue de Moulin, eine Sackgasse. Ein verlassenes Gärtchen, ein altes, heruntergekommenes Vorstadt-häuschen. Hier wohnt Claudine in freiwilliger Zurückgezogenheit, mitten in einem staubigen Chaos. Sie liebt das Glück nicht. Alle rennen dem Glück hinterher, aber das Glück ist oft nicht dort wo wir gerade selber sind. Das Stück lieferte einen Einblick in einige verborgene Stunden im Leben einer alten überraschenden Frau, die hinter ihrer Barschheit eine Menschlichkeit versteckt, eine feine Freude und ein Glanz der oft das Alter überstrahlt. Marjolaine Minot zeichnete die liebenswerte Figur mit unzähligen Feinheiten und Facetten. Jede ihrer Bewegungen steckte voller Poesie, Zartheit und grossartiger Schauspielkunst. «Mir stinkt das Glück» offenbarte sich als eine Theaterdelikatesse, voller Charme, Ironie und ungewöhnlicher Liebeswürdigkeit. Am Ende der Vorstellung hoffte man fast, dass einem das Glück selber so stinken würde…

Kilian Ziegler und Samuel Blatter

28. Februar 2015

 

"The Phantom of the Apéro - ein Wortspielbuffet"

     

Ein wunderschöner Abend, interessante Gäste, die Alte Mühle. Wenn da nur nicht noch der Apéro wäre. Apropos Apéro: Herr und Frau Schweizer haben immer einen Grund, einen Apéro zu feiern, sagt Kilian Ziegler, der Oltener Slam-Poet. Er muss es wissen. «Das Phantom oft the Apéro» lässt keinen solchen aus, quer durch die Schweiz. Sein erstes Bühnenprogramm. Sozusagen in seinem Schlepptau der Solothurner Samuel Blatter, der Mann am Piano, das Apérotischchen – oder ist's ein Stehtischchen, oder doch eines aus einem Bistro. Egal. Man steht herum, links das Glas, rechts das Häppchen – Ziegler: «O Häppli-Day» – in der Hand. Oder umgekehrt. Auch egal. Ziegler: «Das Thema ist zum Beispiel, sagen wir, ja genau, die Politik. Jemand sagt Simonetta Schneider-Schlumpf, die andern nicken, aha, die vom Militär.» Themenwechsel. Was ist ästhetisch? «Ä Stehtisch.» Nochmals Themenwechsel. Mode hat auch etwas Ästhetisches. «Ja», sagt Ziegler, und erklärt Mode: «Ist ein Bänker angezogen wie ein Bänker, ist er ein Bänker. Ist ein Sportler angezogen wie ein Sportler, ist er ein Sportler. Ist ein Penner angezogen wie ein Penner – ist er ein Lehrer.» Konsternation. Und immer diese bösen Lacher aus dem Publikum. Ziegler treibt es je länger, je mehr nahe zur Spitze hin. Seine Wortspiele überraschen so alle 30 Sekunden. Mit ihm über die Sprache nachzudenken, wird immer unsinniger und lustiger: die Metzgerin, die Pferde teilt, heisst Ponny Tayler. Oder: Kommt mal auf den Punkt, also .com. Oder: Man findet bei Apéros keinen Draht mehr zueinander, aber hat Wireless. «Das Wesen ruht auf der SIM-Karte statt im Gesicht.» Ein Handy, das hat er nun auch. Leider. «Aber machen Sie einmal ein Selfie mit einem Telefonapparat. Es geht, aber es ist verdammt mühsam. Gerry Müller hat gezeigt, wie es geht, mit dem Handy. Gezittert auf Twitter.» Aber: Die Augen immer auf dem Display, dass man die ganze Welt sieht, aber nichts, was um einen herum geschieht. Dem Apéro sei Dank. Apropos Apéro. «Ich bin immer gut vorbereitet dafür, das Tupperwaregeschirr ist immer dabei.» Und in Zukunft? Reiht sich weiterhin Apéro an Apéro an Apéro an Apéro? Bis hin zur Apéro-Calypse?


Das Ende eines jeden Apéros ist dann, wenn der Mann am Piano singt, den Blues hervorholt, davon redet, dass er dann mit einem Soloprogramm unterwegs sei: Die Schöne und das Biest-rotischchen. Wenn man mit leerem Blick in das noch leerere Glas schaut. Dann ist Schluss. «Ich schaue mich noch ein letztes Mal um. Dort haben sie am Stehtisch einen sitzen. Der Don Juan versucht noch ein letztes Mal, bei der Serviertochter zu landen – «Hei Baby, ich will ein Kind mit Dir. Und sie: Darf's sus no öppis sie.» Kilian Ziegler und Samuel Blatter haben den Applaus redlich verdient. Viel Applaus vom fachkundigen Publikum (es hätte durchaus mehr sein können). Der Slam-Kabarettist und der Pianospieler haben noch ein PS: Lehrer werden sich nun fragen, was nehme ich aus diesem Abend mit? Was hat mir dieser Abend gegeben? Der nächste Apéro kommt bestimmt. Und tschüss. Und Achtung: Tschüss heisst retourgelesen süscht. Und «süscht» trifft man sich wieder – am nächsten Apéro…

Bericht von Reto Neurauter (Werdenberger & Obertoggenburger, 2.3.2015)

 

Roberto & Dimitri

17. Januar 2015

 

"Canti popolari nel Ticino"

     

Zum Programmstart 2015 in der Alten Mühle Gams erlebten die Gäste einen gefühlsbetonten Saisonauftakt mit Weisen aus dem einfachen Leben der Tessiner Bevölkerung von damals. Eine fesselnde Mischung aus Tradition, Witz und Mimik. Roberto Maggini und Dimitri schafften es in der Alten Mühle bereits nach wenigen Minuten, die Stimmung einer typischen Locanda ticinese zu vermitteln. Tessiner, Heimweh-Tessiner und Freunde des Tessins fühlten sich augenblicklich in heimatliche Impressionen der Südschweiz versetzt. Dimitri strahlte mit seinen bald 80 Jahren eine unglaubliche Vitalität aus, die mit Humor und teils mit einer Spur Frivolität gespickt war.

Dimitri und Roberto Maggini verbindet eine über 40 Jahre anhaltende Freundschaft. Dimitri kennt jeder. Roberto Maggini kennen viele. Als Elektrotechniker begleitete Maggini schon vor vielen, vielen Jahren Dimitri auf seinen Tournées. Und als einer der ersten Schüler der Scuola Teatro Dimitri kennt Roberto das Unternehmen in- und auswendig. Heute ist er Direktor der Scuola Teatro Dimitri und begleitet Dimitri weiterhin – dieses Mal als Partner mit Gesang und Gitarre. Seine helle Stimme passt hervorragend zu Dimitris Stimmorgan.

Roberto und Dimitri erzählen in ihren Weisen vom Leben der Tessiner und deren norditalienischen Nachbarn. Meist singen sie in Dialekt, was den einen oder anderen Zuhörern trotz Italienischkenntnissen fremd vorkommt. Zum Glück fasste Dimitri vor den einzelnen Vorträgen jeweils den Inhalt der Geschichte in Deutsch zusammen, was für das Verständnis sehr hilfreich war. Die gesungene (weltbekannte) Geschichte der kleinen «Spazzacamini» zeigte als sozialkritischer Beitrag aus früheren Zeiten auf, womit die Bevölkerung in den Tessiner Tälern zu kämpfen hatte, und erinnerte an die harten Zeiten, die nur wenige Jahrzehnte zurückliegen. Andere «canzoni» machten gegenwärtig, dass es bereits vor hundert Jahren Kluften zwischen einflussreichen Familien und der mittellosen Bevölkerung gab. «Canti popolari nel Ticino» mit Roberto und Dimitri war mehr als ein Konzert mit Tessiner Volksmusik. Tradition, Witz und die Mimik von Dimitri machten deutlich, wovon das Leben der einfachen Menschen im Alltag geprägt war – und auch heute noch ist. Die beiden machten bewusst, dass schwierige Lebensabschnitte manchmal mit Humor erträglicher sind. Am Schluss des Auftrittes der Künstler sang das Publikum bei bekannten Stücken gemeinsam mit. Danach wurden Roberto und Dimitri mit verdientem, grossem Applaus herzlich verabschiedet.

Bericht von Heidy Beyeler (Werdenberger & Obertoggenburger, 19.01.2015)

 

Urstimmen

22. November 2014

 

"The fantastic foUr stimmen"

     

Die Urstimmen, das sind die stimmlichen Organe von Rita Bänziger, Daniel Koller, Tiziana Sarro und Stephan Schaberl, begeisterten zum Jahresprogrammab-schluss 2014 das Publikum in der Alten Mühle. Urstimmen, das sind vielseitige und witzige Kompositionen aus A-Cappella und Schauspiel. Die vier Vollblutschauspieler und Gesangsprofis improvisieren und ex-perimentieren mit allen möglichen Stilen und Genres, sie verschmelzen Szenisches, Textliches und Musikalisches zu einem Guss. Mit ihren Instrumenten – Körper und Stimme – spinnen sie das Netz aus feiner Ironie und Unterhaltung, aus wortschöpferischer Erquickung und musikalischem Tiefsinn. Ein Netz, in das sich das Publikum gerne einwickeln liess!

 

Klaus Eckel

31. Oktober 2014

 

"Alles bestens, aber..."

     

Seit 2001 sammelt Klaus Eckel Auszeichnungen in der Kleinkunst. Inzwischen ist ein Dutzend Trophäen zusammengekommen. Seine Kunst: Er erheitert mit der alltäglichen Unzufriedenheit, die er mit seinen blitzgescheiten Konklusionen anreichert – und schon ist der Überraschungseffekt perfekt. Am Freitag beschäftigte sich der Kabarettist in seinem Programm «Alles bestens, aber…» ebendarum mit der Unzufriedenheit. Als Solokünstler tritt er auf Kleinbühnen auf, im Wissen, dass er in diesem Ambiente die Beziehung zum Publikum aufbauen und die Zuschauer unmittelbar mit ins Boot nehmen kann. Es blieb den Leuten in der Alten Mühle nichts anderes übrig, als ständig zu lachen, als der ewige Pessimist seine Pointen zum Besten gab. Wer weiss denn schon, dass in den Supermärkten die Taste 1 bei den Selbstbedienungswaagen immer mit der Banane belegt ist? Eckel weiss warum, «das ist ein klarer Beweis dafür, dass der Mensch vom Affen abstammt». Allerdings ist ihm aufgefallen, dass im Volg Gams die Taste 1 nicht mit der Banane belegt ist. Als unzufriedener Erdenbürger lamentiert der Komiker darüber, dass man sich überall selbst bedienen müsse. Der Tankwart verdiene diese Bezeichnung gar nicht mehr, der sei schliesslich ständig am Brotbacken. So gesehen werde man noch lange nicht arbeitslos, auch wenn man keinen Job habe. «Wir sind Angestellte beim Supermarkt, an der Tankstelle, im Restaurant und überall dort, wo es Selbstbedienung gibt, dafür bekommen wir aber kein Geld, im Gegenteil wir müssen dafür auch noch bezahlen», ärgert er sich. Ebenso regt er sich über den Beschallungsterror beim Italiener auf, verursacht durch den «Tinitus-Aktivierer» namens Julio Iglesias. Da müsse man sich doch fragen: «Warum haben Ohren keinen Schliessmuskel?». Der Comedian spricht mit seinem bissigen Witz vielen aus dem Herzen, auch wenn er manchmal mit Übertreibungen nicht gerade geizt. Sein Motto: «Ein Abend, an dem wir über alles offen reden, weil so vieles noch gesagt gehört.»

Bericht von Heidy Beyeler, Ausschnitt (Werdenberger & Obertoggenburger, 03.11.2014)

Bänz Friedli

13. September 2014

 

"Gömmer Starbucks?"

     

Kabarettist und Autor Bänz Friedli hat mit seinem neuen Programm dem Publikum in der Alten Mühle Gams einen heiteren, unbeschwerten Abend mit Tiefgang beschert. Mit seinem neuen Programm «Gömmer Starbucks» hat Bänz Friedli anlässlich des Kleinkunst-Tages das Publikum mit Witz und Humor begeistert und auf einem Trip durch die Lebenswelt der jungen Generation mitgenommen. Gleich zu Beginn stellte er die Frage: «Verstehen Sie die Jugend?» Dann beantwortete er sie selber: «Ich verstehe sie!» Lautes Gelächter folgte, weil niemand ihm das recht glauben wollte. Darauf legte er los, schnitt Themen aus dem Leben der Jugend an, aus Familie und Politik. Als gewiefter Beobachter beschrieb er die Kleidung der Jugend, ihre Frisuren und ahmte vor allem ihre, für die ältere Generation teils schwer verständliche Sprache nach. Es folgte ein Feuerwerk an Ausdrücken des Jugendslangs, die er gekonnt und temporeich imitierte. Er nimmt die die Sprache der jungen Generation aufs Korn, erklärt Abkürzungen oder flicht Neuschöpfungen wie «fremdschämen» ein. Seine Tochter beispielsweise schäme sich für ihn, wenn er, wie ein Jugendlicher gekleidet, in der Schule erscheine, und sage, das sei peinlich und gehe gar nicht. Wenn man die Jugend und ihre Sprache zu verstehen versucht, ist man immer schon zu spät, weil sie sich dauernd im Wandel befindet, erklärte Friedli. Er ist überzeugt, dass kaum jemals eine frühere Generation mit der Sprache so kreativ, originell und spielerisch umgegangen ist wie die heutigen Jungen. Sie lese zwar keine Zeitungen wie die ältere Generation, aber dafür e-Papers auf dem Smartphone. Dann verglich der bald Fünfzigjährige, der vielen durch seine Kolumne als Hausmann der Nation im wöchentlich erscheinenden Migros-Magazin bekannt ist, seine Jugendzeit mit heute. Gekonnt imitierte er den Schulkollegen Giovanni. Erzählte, wie sie sich damals von ihm haben beeinflussen lassen, von seinem Aussehen, seinen dunklen Locken, die er mit Gel nach hinten gekämmt trug. Alle hätten versucht so auszusehen und zu sprechen wie Giovanni, der bei den Mädchen grossen Erfolg gehabt habe. Und dann gab Friedli wie aus der Pistole geschossen eine Kostprobe des damaligen italienisch gefärbten Slangs. Heute, meinte er, würden die Jugendlichen eben die neuen Secondos imitieren. Immer wieder zitierte Bänz Friedli den neuen Wahlspruch von Gams, «Es lohnt sich». Er verglich die grosse, böse Stadt, (damit war Zürich gemeint), mit Gams und erklärte dem amüsierten Publikum, dass sie Glück hätten, wenn sie diese noch nicht kennen würden. Warnte aber gleich darauf, dass diese Trends Gams in ungefähr fünf Jahren auch erreichen werden. Wortgewandt nahm er die Sexualkunde auf die Schippe, zitierte aus dem Schulleitbild von Gams, kam zum Schluss, dass eigentlich der gesunde Menschenverstand gefragt sei, und wiederholte wie ein Refrain: «Es lohnt sich.» Dann kam er auf sein Jugendidol zu sprechen und widmete der Wortschöpfung «konsumgeile Jugend» seine Aufmerksamkeit. Die junge Generation würde dazu erzogen, zu konsumieren. Alle Aufforderungen zum Konsum werden gleich einem Befehl mit Ausrufezeichen versehen. Was heute gelte und «in» ist, ist in kürzester Zeit schon wieder vorbei. Äusserte er sich über Politiker, war nach seiner Beschreibung allen sofort klar, wen er meinte, auch ohne Namen zu nennen. Immer wieder wurde er durch das Lachen des Publikums, das sich köstlich amüsierte, unterbrochen. Am Schluss des Programms gestand er, dass er von der heutigen Jugend keinen Schimmer habe. Dann stellte er die provokative Frage: «Und wenn die heutige Jugend besser ist als ihr Ruf?» Um gleich darauf festzustellen, dass eine Aussage wie: «Die heutigen Jugendlichen sind nett und normal», keine Schlagzeile wert wäre.

Bericht von Esther Wyss (Werdenberger & Obertoggenburger, 16.09.2014)

Carlos Martinez

13. Juni 2014

 

"Mimoslogos"

     

Man kennt ihn mit weissen Handschuhen, weissem Gesicht auf schwarzer Bühne. Anlässlich des Sommerevents in der Alten Mühle Gams war alles etwas anders: Pantomime Carlos Martinez redet auch. Nach fünf Jahren war er wieder da, in der Alten Mühle, der Mann aus Asturien, der rund um die Welt das Publikum zum Staunen, Schmunzeln, Lächeln und Lachen bringt, und zum Nachdenken und zum Klatschen auch. Aber: Keine weissen Handschuhe, kein weisses Gesicht – und er redet. Englisch. Lässt sprechen. Sein Übersetzer Jean-Daniel von Lerber sagt's auf Deutsch. Als ob Pantomime nicht die Sprache ist, die man ohne Sprechen versteht? Martinez' Programm an diesem Abend war exklusiv, auch für die Mitglieder des Patronats Alte Mühle, die von Präsident Helmut Kendlbacher aufs Herzlichste begrüsst, mit Apéro vorher und Imbiss nachher verwöhnt und von Carlos Martinez bestens unterhalten wurden. Und Bernadette Helblings Begrüssungsworte als Mitglied der Betriebskommission, dass «heute ein Meister der Pantomime mit der universellen Sprache der Mimik auftrete», waren schon fast Understatement. Dass er ungeschminkt agierte, hob die Spannung merklich an. Alle Sprachen dieser Welt habe er lernen wollen. Das sei sein erster Traum gewesen. Mit Englisch habe er es versucht, mit Deutsch auch – «Darum habe ich heute einen Übersetzer dabei.» Und sein zweiter Traum war der des Schauspielerns. Geworden ist er aber Pantomime. «Und das ist die Sprache, die man auf der ganzen Welt versteht», so Martinez, «überall, wo ich auftrete, versteht man mich, das ist doch herrlich.» Wie er das sagt, verschmitzt lächelnd. Und alle verstehen ihn. Auch im Gefängnis versteht man ihn, als er einmal seine Nummer «Der Tresorknacker» spielte. Doch die Zwischenrufe seien eindeutig gewesen: «Unsere Tricks sind besser.» Gelacht haben am Ende alle, seine Sprache wurde verstanden. Oder «die Bushaltestelle». Der mit der Zigarette, der mit der Zeitung oder die mit dem Baby und der mit dem Kopfhörer. Phänomenal. Alle lachen. Erkennt sich jemand wieder? Hoppala, auch in Gams gibt es ja Bushaltestellen. Wen hat da Carlos Martinez ertappt? Ertappt hat er auch all die, die an diesem Abend Sofa, Fernbedienung, TV, Chips und Bier sein gelassen haben und sein Publikum waren. Auch in dieser Nummer hat er alle Befindlichkeiten schonungslos aufgedeckt, Schauspiel und Sprache – also die Mimik – so geschickt miteinander verbunden – und alle haben herzhaft gelacht. Über sich selber! Ob nun der, der unter der Dusche steht, oder der, der sich im Telefonmuseum von der Wählscheibe bis zum iPhone durchwählt, oder der, der im Glashaus sitzt, den Ausgang findet, Carlos Martinez hat in unserer Phantasie sie alle aus dem Alltag auf die Bühne geholt. Und seinem Wunsch, die Phantasie in den Alltag mitzunehmen und den Humor nicht zu vergessen, dem wollen nach diesem Abend doch hoffentlich alle Genüge tun. Die phantasievolle Welt der Stille und die nonverbale Kommunikation – ohne SMS und Facebook und YouTube – wäre das, was Carlos Martinez die «minimalistische Ausdrucksform eines Menschen» bezeichnet. Wie wahr!

Bericht von Reto Neurauter (Werdenberger & Obertoggenburger, 16.06.2014)   

 

Bluet- und Lêberwürscht

24. Mai 2014

 

"Country Moments"

     

Mit stimmungsvoller und mitreissender Country-Musik wurde die Alte Mühle zum Western-Saloon! Über 100 Titel umfasst ihr Repertoire, hauptsächlich Country, hie und da gewürzt mit einem Oldie, mal soft, mal rockig. Wer hinter dem Bandnamen eine Metzgete vermutet, wurde nach den ersten Takten eines Besseren belehrt. Heli, Werni, Bruno, Thomas, Johnsy, Ivo und als bereichernde Frauenstimme Priscilla verbindet nicht nur eine echte zum Teil jahrelange Freundschaft,  sondern auch die Begeisterung für Country und die Freude am gemeinsamen Musizieren. Jeder bringt seine eigene Erfahrung und Geschichte als Musiker mit. Der Funke sprang denn auch im altehrwürdigen Mühlesaal sogleich aufs Publikum über und steckte an – pure Freude, Gemütlichkeit und Lebenslust.

 

Ursula Kaspar

2. Mai 2014

 

Vernissage zur Bilderausstellung: "So schön ist unsere Welt"

     

 

 

 

 

 

 

 

 

In der alten Mühle stellte Ursula Kaspar vom 2. Bis 11. Mai 2014 ihre Aquarelle aus. Bilder von bestechender Schönheit – die Welt mit anderen Augen gesehen. Nachfolgend der Bericht von Pius Bamert zur Vernissage:

Eine halbe Stunde vor Beginn der Vernissage. Vor der Türe steht der Musiker Karl Hardegger. Er wirkt konzentriert. Zusammen mit Werner Kaspar wird er den musikalischen Teil des Abends bestreiten. Sonatinen von Antonín Dvorák sind angesagt. «Ist da noch ein Platz frei?» Viele freie Plätze sind es nicht. Die Gamser wollen sich diesen Abend nicht entgehen lassen. Bild an Bild reiht sich im wohl ältesten Haus von Gams. «Eigentlich sollte die Gemeinde ein Bild von den Gämsen kaufen», meint Werner Schöb, ehemaliger Gemeindepräsident. Patrik Birrer, sichtlich erfreut über den grossen Publikumsaufmarsch, begrüsst die Gäste. Brigitte Hasler aus Liechtenstein, selber Künstlerin und Schriftstellerin, hält die Laudatio. Sie ist eine langjährige Freundin von Ursula Kaspar. Im Zentrum der Ausstellung hängt ein Bild. Es zeigt einen Weg ohne Wanderer in den Bergen. «Der Wanderer ist sie selbst, die Malende, aber auch der Wandernde ist Betrachter. Der Weg bedeutet für beide die Strecke, die gegangen werden muss, Schritt für Schritt, im Ausüben wie im Schauen.» Die Natur hat keine Farbe, Hunde sehen schwarz-weiss. Farbenblinde, die Rot von Grün nicht unterscheiden können, können ein Lied davon singen. Es gibt Menschen, die Farben intuitiv besser wahrnehmen können. Zu diesen Begnadeten gehört sicher Ursula Kaspar. 1984 ist sie aus dem grossen Kanton nach Gams eingewandert, wohnt irgendwo weit weg vom Dorf zwischen Wolfsacker und dem Hinderberg, ein Ort, an dem sich Füchse und Hasen gute Nacht sagen. Doch sie ist so nahe an der Natur. Bilder der Natur zu vermitteln, weiterzugeben, aufzuzeigen: «So schön ist unsere Welt.» Es sind keine «schöne heile Welt»-Bilder, aber man wünscht sich manchmal, oben zu sein, bei den Gämsen, am Morgen im eigenen Garten Rehe zu beobachten. Nicht viele schaffen es. Abseits zu leben, kann auch bedeuten, in der «Mitte» zu sein.

Bericht von Pius Bamert (Werdenberger & Obertoggenburger, 05.05.14)

 

Anet Corti

26. April 2014

 

"win-win" - Die perfekte Fehlbesetzung in der Chefetage

     

Anet Corti, Basler Schauspielerin, Komödiantin und Absolventin der «Scuola Teatro Dimitri», servierte mit ihrem zweiten Soloprogramm «win-win» einen Abend voller Lacher. In ihrem Stück sprengte Corti die Grenzen des Kabaretts, indem sie Tanz, Gesang und Wortwitz in eine Geschichte verpackte und ein Feuerwerk der Unterhaltung kreierte. In drei komplett verschiedenen Rollen erweckte sie eine ganze Bürowelt zum Leben und erzählte die Geschichte von Betty Böhni, einer Frau, der man lieber nicht begegnet. Mit unglaublichem Einfallsreichtum und einer erstaunlichen schauspielerischen Leistung steigerte Corti Humor und Spannung von Szene zu Szene, verknüpfte die Geschichten der drei Figuren – Betty Böhni, die schrullige Praktikantin Sandrine Sutter aus dem Welschen und Erika Eggenschwiler, resolute Ostschweizer Telefonempfangsdame – und liess das Publikum nicht eine Sekunde los. Als perfekte Fehlbesetzung in «win-win» lehnte sich Anet Corti mit warmem Herzen gegen kalte Manager, heimtückische Büromaschinen und ein drohendes Burnout auf. Ein Abendprogramm, welches restlos alle begeisterte - eine echte Win-Win-Situation!

 

Dominic Deville

29. März 2014

 

"Kinderschreck!"

     

Dominic Deville ist Autor, Schauspieler, Punkmusiker aber gleichzeitig auch diplomierter Kindergärtner und seit 15 Jahren in diesem Beruf tätig. Er liebt die Provokation, die Überzeichnung und das Ausloten der eigenen Grenzen und die seines Publikums. In "Kinderschreck!", seinem ersten, abendfüllenden Soloprogramm für Erwachsene, wusste Dominic Deville auf der Bühne der Alten Mühle scharfzüngig und mit bitterbösem Humor versetzt aus seinem pädagogisch anspruchsvollen Alltag zu berichten. Er erzählte unter anderem von neunmalklugen Dreikäsehochs am verkaterten Montagmorgen, Schulreisen zum Davonlaufen und Znünipausen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Das Publikum erlebte ein wunderbares Programm aus dem Alltag eines punkigen Kindergärtners: laut, aufmüpfig und unberechenbar wie eine Klasse Fünfjähriger in der Vorweihnachtszeit aber zugleich so schrecklich komisch bis ernsthaft nachdenklich, dass einem mitunter manchmal fast das Lachen im Halse stecken blieb.

 

Dominic Deville

29. März 2014

 

Kinderprogramm: "Herr Deville’s sUPERaCTIONmEGAmONSTERmITmACHtHEATER"

     

Dominic  Deville, von Beruf Kindergärtner, entfachte mit dem Mitmach-Theater für Kinder auf der Mühlenbühne vom ersten Moment an die Begeisterung  der Kids und nahm sie mit auf eine actiongeladene Reise in die Phantasiewelt. Zauberkoffer wurden gestohlen und ein zehn Meter grosses Ungeheuer mit vier Armen und zehn Beinen galt es zu bezwingen. Superhelden stellen sich dem Monster in den Weg und versuchen es mit ihren Superkräften zu vertreiben. Laute Ballone krachten und vertrieben schliesslich das Monster aus dem heimischen Dorf. Zaubersprüche wurden gerufen und Lieder geschmettert. Das junge Publikum kugelte sich vor Lachen und befand sich mehr auf als vor der Bühne, um die Handlung dieses lauten Stückes, dessen Namen niemand so richtig kennt, in ungeahnte Richtungen, dem nächsten Abenteuer entgegen zu treiben!

 

Zwischen Sehnsucht und Schande

21. Februar 2014

 

"Die Geschichte der Anna Maria Boxler (1884-1965)"

Lesung mit Lisbeth Herger und Heinz Looser

     

Zur Lesung aus dem Buch zwischen „Sehnsucht und Schande“, die In Kooperation mit der HHVW organisiert wurde, füllte sich die Alte Mühle zur grossen Freude der Organisatoren bis auf den letzten Platz. Das Buch beschreibt die 52 Stationen im Leben der Anna Maria Boxler (1884-1965), einer in Gams geborenen Stickerin. Neun Kinder hat die in Gams geborene Stickerin Anna Maria Boxler geboren, sieben von ihnen wurden ihr von den Behörden weggenommen, fremdplatziert oder verdingt. Über fünfzig Mal musste sie in ihrem Leben umziehen, wurde verurteilt wegen Ungehorsam, Abtreibung und Prostitution, war zwischenzeitlich administrativ versorgt. Lisbeth Herger und Heinz Looser verfolgten die Spuren von Anna Maria Boxler, der lange tabuisierten Grossmutter des Historikers Looser. Die umfangreichen Recherchen führten ihn in die Kirchen-, Dorf- und Stadtarchive in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Zürich, wo eindrückliche Bittschriften der Grossmutter auftauchten. Die persönlichen Briefe zeigen eine widerständige Stickerin im Kampf ums Überleben und geben einen einzigartigen Einblick in ein Frauenleben aus der Unterschicht. Dramatisch schildert die Autorin Lisbeth Herger das Leben dieser Frau, ein Kampf gegen Armut und Schande aus der Sehnsucht nach einem besseren Leben. Während Lisbeth Herger entscheidende und berührende Stellen aus ihrem Buch vorlas, stellte sie Heinz Looser immer wieder in den direkten Zusammenhang zur damaligen Zeit und gab zusätzliche Hintergrund-Informationen über die Recherche in den Archiven oder das Amtsgebaren in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Das Autorenpaar verstand es vortrefflich, die tragische Lebensgeschichte einer Frau aus dieser Region nachzuzeichnen und den Zuhörern auf eindrückliche Art näherzubringen. In der anschliessenden Diskussion kam die Betroffenheit zum Ausdruck, wie unbarmherzig man mit Armen und insbesondere Frauen noch vor hundert Jahren umging.    

 

Florian Schroeder

15. Februar 2014

 

"Offen für alles und nicht ganz dicht"

     

Für einmal trat ein Mann in der Alten Mühle auf, der in Deutschland schon seit Jahren zu den bekannten Gesichtern gehört: Florian Schroeder. Der unermüdliche Schaffer, Kabarettist, Autor, Radio- und Fernseh-moderator, bekannt für sein breites Repertoire an Prominenten-Imitationen, bedient sich zur Karikatur seiner Stimme, der  Mimik und Gestik und spickt sie mit pantomimischen Einlagen. Gleich zu Beginn nahm er Bezug auf die Schweizer Masseneinwanderungsinitiave und deren Resultate und spottete über typisch schweizerische Eigenarten und Dialekte. Seine Parodien zählten auch zu den Höhepunkten in seinem Programm „Offen für alles und nicht ganz dicht“, aber der Wahlberliner hatte noch viel mehr zu bieten, seine einzigartige Mischung aus politischer Satire und Comedy, die durch Satire, messerscharfe Spitzen und intelligenten Nonsens besticht. Er schleuderte in rasantem Tempo seine Erkenntnisse über die Krisen und Abgründe der modernen Gesellschaft ins Publikum, so dass es dem einen oder anderen zuweilen Mühe bereitete, dem knapp zweistündigen Programm zu folgen. Der sprachgewandte Blondschopf wechselte temporeich Rollen und Stimmen, nahm eine Vielfalt von Prominenten aufs Korn, um sich immer wieder seinem Lieblingsopfer Angela Merkel zuzuwenden. In seinem Programm „Offen für alles und nicht ganz dicht“ beschäftigte er sich mit der Völkerverständigung zwischen den Generationen und zog  Bilanz: Wir sollen offen für alles bleiben und heiraten uns doch schneller denn je gegenseitig vom Markt. Wir bekommen Kinder, aber ohne Eltern zu werden. Wir sind erwachsen, benehmen uns aber wie Kinder. Wir arbeiten in unserer Freizeit und machen die Arbeit zu unserer Freizeit. Witzig, sympathisch, schlagfertig und souverän bot der 34-Jährige eine „Ein-Mann-Show“ von grossem Unterhaltungswert.  

Zu Beginn der Vorstellung konnte Frau Ruth Probst aus Mexiko als 5000. Besucherin in der Alten Mühle begrüsst werden. 

 

Nicolas Senn & Elias Bernet

10. Januar 2014

 

 

"Hackbrett meets Boogie-Woogie"

Das neue Programmjahr 2014 startete gleich mit einem Knüller: Wenn der Hackbrettler Nicolas Senn auf der Bühne auf den Boogie-Woogie-Pianisten Elias Bernet trifft, prallen zwei musikalische Welten aufeinander. «Hackbrett meets Boogie-Woogie!». Die beiden Gäste gingen  auf der Bühne in der Alten Mühle musikalisch miteinander fremd und nähern sich stilistisch gegenseitig an, womit eine einzigartige und witzige Symbiose von traditioneller Volksmusik und jazzigen, bluesigen Tönen entstand. Mit ihrer kreativen Offenheit wagten sich die beiden Musiker vom traditionellen Appenzeller Wälserli zum fetzigen «Hack'n'Roll» und liessen so verschiedene Stile verschmelzen. In einem packenden Duell beeindruckten die beiden jungen Künstler mit ihrer Virtuosität und zeigten sich auch von ihrer humorvollen Seite. So wurde die unerwartete, aber spezielle Kombination von Hackbrett und Boogie-Woogie zu einem mitreissenden Ohrenschmaus.

 

 

 

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